Öffentliche Finanzen 2020: Die Staatsausgabenquote steigt stark an, die Staatseinnahmenquote sinkt, das Öffentliche Defizit liegt bei 8,9% des BIP

Im Jahr 2020 betrug das öffentliche Defizit 8,9% des Bruttoinlandsprodukts (BIP) bzw. 33,2 Mrd. Euro und war damit das höchste Defizit seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1954. (2019: Überschuss von 2,4 Mrd. Euro bzw. 0,6% des BIP). Die Staatsausgaben stiegen im Vergleich zu 2019 um 12,6% bzw. 24,4 Mrd. Euro, die Staatseinnahmen verringerten sich um 5,8% bzw. 11,3 Mrd. Euro. In Relation zum BIP ergaben sich daher folgende Staatsquoten für 2020: Einnahmen 49,0% (2019: 49,2%), Ausgaben 57,9% (2019: 48,6%), Defizit 8,9% (2019: Überschuss 0,6%).

Die Detaildaten zu diesen Quoten stammen aus der März 2021-Rechnung von Statistik Austria über die Öffentlichen Finanzen mit Stand 1. April 2021. Grundlage für das Berichtsjahr 2020 sind der vorläufige Rechnungsabschluss des Bundes, die Quartalsdaten der Länder und Gemeinden, die vorläufige Finanzstatistik des Dachverbandes der Sozialversicherungsträger sowie erste Informationen zu außerbudgetären Einheiten.

Die Staatsausgaben (insgesamt 217,4 Mrd. Euro) stiegen im Jahr 2020 gegenüber dem Vorjahr um 12,6% oder 24,4 Mrd. Euro auf insgesamt 217,4 Mrd. Euro. Die deutlichste Steigerung ist bei den Subventionen zu beobachten (+14,1 Mrd. Euro bzw. +240,7%). Dies ist vor allem auf die staatlichen Corona-Hilfspakete zurückzuführen (Kurzarbeit, Fixkostenzuschuss, Umsatzersatz etc.). 43,0% der Ausgaben des Staates entfielen auf Sozialausgaben, die gegenüber 2019 eine Steigerung von 7,5% auswiesen. Die nächstgrößeren Positionen waren mit einigem Abstand der Personalaufwand mit rund 20% (+2,1% bzw. +0,9 Mrd. Euro) und der Sachaufwand mit rund 12% (+3,4% bzw. +0,9 Mrd. Euro). Die Investitionen zeigten 2020 einen Anstieg auf 12,9 Mrd. Euro. Die Zinsausgaben waren auch 2020 stark rückläufig (-10,0% bzw. -0,6 Mrd. Euro).

Die Staatseinnahmen 2020 betrugen insgesamt 184,2 Mrd. Euro und sanken im Vergleich zum Vorjahr um 11,3 Mrd. Euro (-5,8%). Der stärkste Rückgang ist mit 9,8 Mrd. Euro bei den Steuern und Sozialbeiträgen zu beobachten, die 2020 161,0 Mrd. Euro ausmachen. Die Produktions- und Importabgaben (inklusive Mehrwertsteuer) verringerten sich um 6,4% bzw. 3,5 Mrd. Euro. Die Einnahmen aus Einkommen- und Vermögensteuern zeigten einen Rückgang von 11,3% bzw. 6,2 Mrd. Euro. Dieser ist vor allem auf geringere Einnahmen aus der Körperschaftsteuer (-2,8 Mrd. Euro), aus der veranlagten Einkommensteuer (-1,8 Mrd. Euro) und aus der Lohnsteuer (-1,0 Mrd. Euro) zurückzuführen. Die Sozialbeiträge verringerten sich um 0,2% bzw. rund 100 Mio. Euro. 8,9% der Staatseinnahmen stammten aus den Produktionserlösen, die 2020 16,4 Mrd. Euro ausmachten. Andere Aggregate auf der Einnahmenseite spielen nur eine untergeordnete Rolle. So ergaben sich sonstige laufende Transfers in Höhe von 3,6 Mrd. Euro und Vermögenseinkommen in Höhe von 3,0 Mrd. Euro. Weitere Informationen finden Sie unter Steuereinnahmen und Sozialbeiträge des Staates.

Quartalsdaten: Wieder starkes Defizit im ersten Quartal 2021

Im ersten Quartal 2021 wurde ein öffentliches Defizit von 9,0 Mrd. Euro verbucht, das entspricht 9,9% des vierteljährlichen Bruttoinlandsproduktes (BIP). Gegenüber dem ersten Quartal des Vorjahres (2020Q1: 1,6 Mrd. Euro bzw. 1,7% des vj. BIP) stieg dieser Wert um 7,4 Mrd. Euro bzw. 8,2% des vierteljährlichen BIP fast auf das Sechsfache. 

Während die Staatseinnahmen im Vergleich zum Vorjahr um 1,7% bzw. 0,7 Mrd. Euro sanken (2021Q1: 43,6 Mrd. Euro, 2020Q1: 44,4 Mrd. Euro), erhöhten sich die Staatsausgaben um 14,5% bzw. 6,7 Mrd. Euro (2021Q1: 52,6 Mrd. Euro, 2020Q1: 46,0 Mrd. Euro). Das BIP sank im selben Zeitraum um 3,6% bzw. 3,4 Mrd. Euro (2021Q1: 90,7 Mrd. Euro, 2020Q1: 94,1 Mrd. Euro).

Die Detaildaten zu diesen Ergebnissen stammen aus der Quartalsrechnung Staat der Statistik Austria und geben den Stand am 30. Juni 2021 wieder. Grundlage für das Berichtsquartal 2021Q1 sind die vorläufigen Rechnungsabschlusszahlen des Bundes, der Länder und der Gemeinden, sowie des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger. Sonstige Einheiten des Sektors Staat werden auf Basis einzelner vorhandener Informationen geschätzt.

88,3% der Staatseinnahmen im ersten Quartal 2021 stammten aus Steuern und Sozialbeiträgen, die in Summe 38,5 Mrd. Euro ausmachten. Dieser Wert verminderte sich gegenüber dem Vorjahr um 1,2%, bzw. 0,5 Mrd. Euro.

Der Rückgang der Staatseinnahmen im ersten Quartal 2021 gegenüber dem ersten Quartal 2020 ist hauptsächlich auf die Produktions- und Importabgaben (-3,4% bzw. -0,4 Mrd. Euro) und auf die Einkommen- und Vermögensteuern (-2,7% bzw. -0,3 Mrd. Euro) zurückzuführen. Auf Einzelsteuerebene waren die größten Verluste bei der Umsatzsteuer (-5,4% bzw. -0,4 Mrd. Euro) und der Einkommensteuer (-38,3% bzw. -0,3 Mrd. Euro) zu verzeichnen.

Im ersten Quartal 2021 entfielen rund 43% der Staatsausgaben auf Sozialleistungen (monetäre und Sachleistungen), 19% auf Personalaufwand, 12% auf Vorleistungen und 10% auf Subventionen, alle anderen Ausgabenpositionen blieben unter 9%.

Der Anstieg auf der Ausgabenseite im ersten Quartal 2021 resultiert etwa zur Hälfte aus der Erhöhung der Subventionen (177,1%, bzw. 3,3 Mrd. Euro), hierunter fallen Aufwendungen für Kurzarbeit, Fixkostenzuschuss und Umsatzersatz. Ebenfalls stark erhöht haben sich die die Sonstigen laufenden Transfers (53,6%, bzw. 1,5 Mrd. Euro) und die Monetären Sozialleistungen (7,4%, bzw. 1,3 Mrd. Euro), letztere aufgrund des erhöhten Aufwandes für das Arbeitslosengeld und den Härtefallfonds. Da endgültige Zahlen für diese Maßnahmen noch nicht vorliegen, handelt es sich um Schätzwerte, die bei jeder Veröffentlichung auf den neuen Erkenntnisstand angepasst werden.

Einnahmen und Ausgaben des Staates, Jahresdaten
Struktur der Einnahmen und Ausgaben des Staates, konsolidiert, Jahresdaten
Einnahmen des Staates, Quartalsdaten 2001 bis 2021
Ausgaben des Staates, Quartalsdaten 2001 bis 2021

Staatsquoten 1995 - 2020


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