Erwerbstätigkeit

Die Entwicklung am österreichischen Arbeitsmarkt zeigt innerhalb der letzten zehn Jahre eine wachsende Erwerbsbeteiligung der Frauen. Die Erwerbstätigenquote der 15- bis 64-jährigen Frauen stieg von 65,7% (2010) auf 68,3% (2020). Bei den Männern zeigt sich ebenfalls eine leichte Zunahme der Erwerbstätigenquote, die allerdings auf einem deutlich höheren Niveau verlief (2010: 76,0%; 2020: 76,5%). Im Vergleich zum Vorjahr war jedoch im Zuge der Covid-19-Krise sowohl bei den Frauen (-0,8 Prozentpunkte) als auch bei den Männern (-1,5 Prozentpunkte) ein Rückgang der Erwerbstätigkeit zu beobachten.

Ein starker Anstieg war zwischen 2019 und 2020 dagegen bei der Arbeitslosigkeit zu verzeichnen. Nach nationaler Definition waren 2020 9,7% der Frauen (+2,6 Prozentpunkte) und 10,1% der Männer (+2,5 Prozentpunkte) arbeitslos. Die Zahl der Arbeitslosen ist bei den Frauen (+37,8%) stärker gestiegen als bei den Männern (+34,4%). Mit 185.700 bei den Frauen und 224.000 bei Männern waren dies die höchsten Werte  der letzten Jahrzehnte. 

Nach Branchen arbeiteten 2020 17,9% der unselbständig erwerbstätigen Frauen im Handel und 17,9% im Gesundheits- und Sozialwesen. Männer waren dagegen am häufigsten in der Herstellung von Waren (24,2%), im Bau (13,9%) und im Handel (12,1%) beschäftigt. In der von der Covid-19-Krise besonders stark betroffenen Beherbergung und Gastronomie waren 6,8% der Frauen und 3,5% der Männer tätig.

Bezogen auf die berufliche Tätigkeit übten 2020 insgesamt 8,6% der unselbständig erwerbstätigen Männer, aber nur 4,2% der Frauen eine führende Tätigkeit aus. Selbst bei gleichen Bildungsabschlüssen waren Frauen stärker in mittleren Positionen vertreten als Männer, während Männer häufiger in Führungspositionen aufstiegen. Mit einem BHS-Abschluss arbeiteten beispielsweise bedeutend mehr Frauen (50,4%) als Männer (25,9%) in mittleren Tätigkeiten, während umgekehrt mehr Männer (40,4%) als Frauen (28,8%) höhere und hochqualifizierte Tätigkeiten verrichteten. Hinsichtlich der Besetzung von Führungspositionen war der Unterschied vor allem bei Personen mit Universitätsabschluss markant: 8,1% der Frauen und 18,1% der Männer mit Fachhochschul- oder Universitätsabschluss waren in Führungspositionen tätig.

Frauen waren auch wesentlich häufiger als Männer teilzeitbeschäftigt. Zwar ging die Teilzeitquote der Frauen im Vergleich zum Vorjahr leicht von 47,7% (2019) auf 47,3% (2020) zurück, im Abstand von zehn Jahren erhöhte sich der Anteil der teilzeitbeschäftigten Frauen jedoch um insgesamt 3,5 Prozentpunkte. Die Teilzeitbeschäftigung hat im Zehnjahresvergleich auch bei den Männern zugenommen (1,6 Prozentpunkte), ist mit 10,7% (2020) aber nach wie vor von vergleichsweise geringer Bedeutung und zeigt gegenüber dem Vorjahr keine Veränderung. Teilzeitbeschäftigung bleibt damit weiblich; 2020 waren rund 80% der Teilzeitbeschäftigten Frauen.

Als Gründe für Teilzeitbeschäftigung waren bei 38,5% der Frauen Betreuungspflichten für Kinder oder pflegebedürftige Erwachsene ausschlaggebend (Männer: 5,8%); in der Altersgruppe von 30 bis 44 Jahren nannten sogar 67,6% der Frauen (13,4% der Männer) Betreuungspflichten als wichtigsten Grund. Bei den Männern stand dagegen insgesamt die schulische oder berufliche Aus- oder Fortbildung mit 22,4% (Frauen: 7,4%) bzw. kein Wunsch nach Vollzeittätigkeit 24,4% (Frauen: 22,1%) im Vordergrund.

Frauen waren auch wesentlich häufiger als Männer atypisch beschäftigt. Insgesamt gingen 2020 rund 52% der Frauen und 15% der Männer in der Haupttätigkeit einer atypischen Beschäftigung nach (Teilzeiterwerbstätigkeit, freier Dienstvertrag, Leih- bzw. Zeitarbeitsverhältnis, geringfügige Beschäftigung unter 12h/Woche, Befristung), wobei sich hier auch der hohe Teilzeitanteil von Frauen bemerkbar macht.

Im europäischen Vergleich zählt Österreich zu den Ländern, die sowohl eine hohe Erwerbsbeteiligung der Frauen als auch eine hohe Teilzeitquote aufweisen. Bezogen auf die Erwerbstätigenquote der 15- bis 64-jährigen Frauen lag Österreich 2020 mit 68,3% auf Rang zehn und damit über dem EU-Durchschnitt von 62,4%. Die Teilzeitquote der Frauen erreichte mit 47,3%, knapp hinter Deutschland (49,2%), den dritthöchsten Wert. Mit Abstand am höchsten war der Anteil der teilzeitbeschäftigten Frauen in den Niederlanden (75,8%). Im EU-Durchschnitt betrug die Teilzeitquote der Frauen 2020 30,4%.

Weitere Informationen befinden sich auf unserer Website unter Arbeitsmarkt oder in der Eurostat-Datenbank unter Bevölkerung und soziale Bedingungen – Arbeitsmarkt – Beschäftigung und Arbeitslosigkeit.

Neue Hochrechnung ab 2014: Für das 4. Quartal 2014 und den Jahresdurchschnitt 2014 wurde für den Mikrozensus erstmals ein neues Hochrechnungsverfahren angewandt. Zugleich wurden die Ergebnisse der Mikrozensus-Arbeitskräfteerhebung basierend auf dem neuen Hochrechnungsverfahren rückwirkend bis 2004 revidiert. Aufgrund dieser Änderungen kommt es gegenüber früheren Veröffentlichungen zu leichten Niveauverschiebungen der verschiedenen Indikatoren.

Ergebnisse im Überblick: Erwerbstätige nach Alter und Geschlecht seit 1994
Erwerbstätigenquoten nach Alter und Geschlecht seit 1994
Erwerbstätige und unselbständig Erwerbstätige nach Vollzeit/Teilzeit und Geschlecht seit 1994
Teilzeiterwerbstätige (ILO) nach Grund für Teilzeitarbeit, Alter und Geschlecht - Jahresdurchschnitt 2020
Unselbständig Erwerbstätige (ILO) nach Vollzeit/Teilzeit, Wirtschaftszweig und Geschlecht - Jahresdurchschnitt 2020
Unselbständig Erwerbstätige (ILO) nach ÖNACE und Geschlecht, 2020
Berufliche Tätigkeit unselbständig Erwerbstätiger nach höchster abgeschlossener Schulbildung und Geschlecht, 2020
Arbeitslose und Arbeitslosenquoten nach ILO-Konzept nach Alter und Geschlecht
Beim Arbeitsmarktservice vorgemerkte Arbeitslose und Arbeitslosenquoten (nationale Definition)

Erwerbstätigenquoten der 15- bis 64-jährigen Frauen im EU-Vergleich 2020
Teilzeitquoten nach Geschlecht im EU-Vergleich 2020
Unselbständig Erwerbstätige nach Beschäftigungsform in der Haupttätigkeit 2020
Infografik Frauen in der Technik


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