Erwerbspersonenprognose

Die Erwerbspersonenprognose verknüpft die Hauptvariante der Bevölkerungsprognose mit unterschiedlichen Erwerbsquotenextrapolationen. Die Zahl der Erwerbspersonen ist die Summe aus selbständig und unselbständig Beschäftigten sowie Arbeitslosen; Präsenz- und Zivildiener werden ebenfalls eingerechnet. Die Erwerbstätigkeit wird nach dem ILO-Konzept gemessen. Die Vorausschätzung liegt in insgesamt drei Varianten vor, nämlich einer Trend-, einer Aktivierungs- und einer konstanten Variante. Letztere misst den demographischen Einfluss der künftigen Bevölkerungsentwicklung auf die Veränderung der Zahl der Erwerbspersonen unter der Annahme, dass die alters- und geschlechtsspezifischen Erwerbsquoten auf dem Niveau von 2019 konstant bleiben.

Ergebnisse der Erwerbspersonenprognose 2020

Konstante Variante:

Bleibt die alters- und geschlechtsspezifische Erwerbsbeteiligung auf dem Niveau von 2019 konstant, so ist künftig bundesweit mit einem Rückgang an Erwerbspersonen zu rechnen. Dies ist eine Folge der sinkenden Zahl der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter zwischen 15 und 64 Jahren sowie der Verschiebungen innerhalb dieser Altersgruppe. Während die Besetzungszahlen im jungen und mittleren Erwachsenenalter sinken, sind bei den 55- bis 64-Jährigen Zuwächse zu erwarten. Ausgehend von den 4,60 Mio. Erwerbspersonen des Jahres 2019 ergibt die Variante mit konstanten alters- und geschlechtsspezifischen Erwerbsquoten für 2030 einen Rückgang um 3,6% auf 4,43 Mio., bis 2050 um 5,4% auf 4,35 Mio. und bis 2080 schließlich ein Minus von 4,9% auf 4,38 Mio. Erwerbspersonen. Die künftige Entwicklung der Erwerbspersonen verläuft bei konstanter Erwerbsbeteiligung ziemlich parallel zur prognostizierten Veränderung der Bevölkerung im Alter von 15 bis 64 Jahren.

Trendvariante:

Gemäß Hauptvariante der aktuellen Bevölkerungsprognose und der Erwerbsquotenextrapolation laut Trendvariante wird die Anzahl der Erwerbspersonen österreichweit relativ konstant bleiben. Der langfristig prognostizierte Rückgang des demographischen Erwerbspotenzials (Bevölkerung im Alter von 15 bis unter 65 Jahren) wird durch die erwarteten Anstiege der Erwerbsbeteiligung, insbesondere bei den Frauen und im höheren Erwerbsalter, kompensiert. Ausgehend vom Jahresdurchschnitt 2019 (4,60 Mio. Erwerbspersonen) wird 2023 ein Maximum von 4,62 Mio. erreicht, das ist ein Plus von 0,3%. Danach ist ein leichter Rückgang auf 4,56 Mio. im Jahr 2035 (-0,8%) bzw. 4,51 Mio. (-1,9%) zu erwarten, ehe die Zahl der Erwerbspersonen bis 2080 wiederum auf 4,57 Mio. ansteigt (-0,7% gegenüber 2019.

Aktivierungsvariante:

Unter der Annahme eines langfristig etwas stärkeren Anstiegs der Erwerbsbeteiligung als in der Trendvariante wird die Zahl der Erwerbspersonen österreichweit künftig weiterhin zunehmen. Bis zum Jahr 2030 wird hier ein Plus von 1,3% auf 4,66 Mio. Erwerbspersonen errechnet; bis 2050 ein Zuwachs von 1,8% auf 4,68 Mio. 2080 wären es demnach 4,71 Mio. Personen, um 2,4% mehr als im Jahr 2019.

Strukturveränderungen der Erwerbspersonen gemäß Trendvariante

Knapp die Hälfte (48,9%) aller Erwerbspersonen steht derzeit noch im Alter von 35 bis 54 Jahren. Ein gutes Drittel (34,5%) ist jünger als 35 Jahre, 16,6% sind 55 Jahre und älter. Aufgrund der oben beschriebenen Entwicklung steigt der Anteil der über 55-Jährigen bis 2050 auf 20,8%, jener der unter 35-Jährigen sinkt bis dahin auf 32,2%, und jener der 35- bis 54-Jährigen geht auf 47,0% zurück. Der Anteil der Frauen an allen Erwerbspersonen steigt zwischen 2019 und 2050 von 46,6% auf 46,9%.

Stärker besetzte Jahrgänge und höhere Erwerbsbeteiligung im Alter 55+

Aufgrund der Bevölkerungsentwicklung und den Veränderungen in der Erwerbsbeteiligung gemäß Trendvariante ist für den langfristigen Zuwachs bei den Erwerbspersonen ausnahmslos die Altersgruppe der 50- und Mehrjährigen verantwortlich, deren Zahl bis 2050 um 8% steigt. Die Zahl der unter 30-jährigen Erwerbspersonen sinkt in diesem Zeitraum hingegen um 9%, jene der 30- bis 39-jährigen geht um 5% zurück. Die Zahl der 40- bis 49-jährigen Erwerbspersonen steigt vorerst noch an (+7% bis 2030) und sinkt anschließend wieder auf das derzeitige Niveau (-1% im Jahr 2050).

Der Personenkreis im höheren Erwerbsalter wird einerseits zahlenmäßig stark wachsen, andererseits sind hier auch stärkere Zuwächse in der Erwerbsbeteiligung zu erwarten. Längere Ausbildungszeiten im Jugendalter und somit nachrückende Generationen, die formal höher gebildet sind, aber auch die politischen Zielsetzungen eines höheren (faktischen) Pensionsalters führen kumulativ zu den Anstiegen bei den älteren Erwerbspersonen. Demnach wird die Zahl der 55- und Mehrjährigen am Arbeitsmarkt bis 2050 um ein knappes Viertel (+24%) steigen, während sie in der Altersgruppe 15 bis 34 Jahre um 8% und in der Altersgruppe 35 bis 54 Jahre um 5% sinkt.

Langfristig werden knapp vier von fünf Personen zwischen 15 und 64 Jahren am Arbeitsmarkt aktiv sein

Der Anteil der Frauen an den Erwerbspersonen betrug 2019 knapp 47% und wird gemäß Trendvariante in Zukunft etwas zunehmen. Die allgemeine Erwerbsquote der 15- bis 64-jährigen Bevölkerung lag 2019 bei 76,8%. Die erwartbaren Veränderungen in der altersspezifischen Erwerbsbeteiligung lassen die allgemeine Erwerbsquote bis zum Jahr 2030 auf 73,9% und bis 2050 auf 78,2% steigen.

Starke Zuwächse an Erwerbspersonen in Wien, in Kärnten ist ein Rückgang zu erwarten

Nach Bundesländern differenziert sind bedeutsame Disparitäten in der künftigen Entwicklung der Zahl an Erwerbspersonen zu erwarten. Besonders stark stechen die Entwicklungen von Wien und Kärnten hervor. Die Bundeshauptstadt Wien hat das stärkste Bevölkerungswachstum aller Bundesländer zu erwarten. Infolge der Zuwanderung wird hier die Bevölkerung im Erwerbsalter im Gegensatz zu den übrigen Bundesländern stark wachsen. Demnach steigt hier die Zahl der Erwerbspersonen gemäß Trendvariante bis 2050 um 8,7% und bis 2080 schließlich um 11,8%. Ab dem Jahr 2022 werden in Wien mehr als 1 Mio. Erwerbspersonen wohnhaft sein. In allen anderen Bundesländern sinkt oder stagniert künftig die Zahl der Erwerbspersonen.

Kärnten hat mit einer schrumpfenden Bevölkerung, insbesondere im Erwerbsalter, zu rechnen. Die steigende Erwerbsbeteiligung kann hier die Rückgänge in der Basisbevölkerung nicht kompensieren. Demnach sinkt im südlichsten Bundesland Österreichs die Zahl der Erwerbspersonen am stärksten, und zwar bis 2050 um 14,4% und bis 2080 schließlich um 17,7%. In der Steiermark geht die Zahl der Erwerbspersonen bis 2050 um 7,1% und bis 2080 um 8,4% zurück. Das Bundesland Salzburg hat bis 2050 einen Rückgang von 4,5% und bis 2080 um 5,5% zu erwarten. Im Burgenland beträgt das Minus bis zum Jahr 2050 prognostizierte 3,5%, im Jahr 2080 wird dort die Zahl der Erwerbspersonen gemäß Trendvariante um 2,2% niedriger sein als 2019, dem Basisjahr der vorliegenden Prognose. Nach kurzfristig geringfügigen Zuwächsen wird die Zahl der Erwerbspersonen in Vorarlberg 2050 um 2,8% und 2080 schließlich um 3,7% niedriger sein als derzeit. In Tirol bleibt die Zahl der Erwerbspersonen vorerst noch konstant, sinkt aber bis 2050 um 2,3% und bist 2080 um 3,0% ab. Der Rückgang in Oberösterreich beträgt bis 2050 2,1% und bis 2080 2,2%. In Niederösterreich bleibt die vorausgeschätzte Zahl der Erwerbspersonen über den gesamten Projektionszeitraum relativ konstant (2050: -0,2%; 2080: +1,5%).

Ergebnisse im Überblick: Erwerbspersonen (Trendvariante)
Ergebnisse im Überblick: Erwerbspersonen (Aktivierungsvariante)
Ergebnisse im Überblick: Erwerbspersonen (Konstante Variante)
Altersstruktur der Erwerbspersonen (alle Varianten)
Alters- und geschlechtsspezifische Erwerbsquoten 2019-2050 nach Bundesländern (Trend- und Aktivierungsvariante)
Erwerbspersonen 2019 bis 2080 nach breiten Altersgruppen und Geschlecht (alle Varianten)
Erwerbspersonen nach Alter, Geschlecht und Bundesländern 2019 bis 2080 (alle Varianten)

Alters- und geschlechtsspezifische Erwerbsquoten 2019, 2030 und 2050 (laut Trendvariante)
Entwicklung der Erwerbspersonen nach breiten Altersgruppen 2019-2080 (laut Trendvariante)
Entwicklung der Erwerbspersonen nach Bundesländern 2019 bis 2080 (laut Trendvariante)



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