Österreich und seine Bundesländer

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Im Jahr 2020 leben die mehr als 8,9 Mio. Österreicherinnen und Österreicher in rund 4,0 Mio. Privathaushalten. Seit dem Jahr 2000 hat die österreichische Bevölkerung die 8-Millionen-Grenze überschritten. Die 7-Mio.-Marke wurde Anfang der 1950er Jahre erreicht. Bis 2040 dürfte die Zahl laut Prognosen auf rund 9,4 Mio. ansteigen. Mehr als ein Fünftel der Bevölkerung Österreichs lebt in der Bundeshauptstadt Wien (rund 1,9 Mio.), gefolgt von Niederösterreich mit 1,7 Mio. Einwohnern. 2020 wurde die durchschnittliche österreichische Bevölkerungsdichte von 106 Personen pro km² in Wien naturgemäß mit rund 4.600 Personen pro km² deutlich überschritten. Über 100 Personen pro km² lebten in Vorarlberg mit 153 und Oberösterreich mit 125 Personen pro km². Tirol mit 60 und Kärnten mit 59 Personen pro km² wiesen die geringste Bevölkerungsdichte auf.

Die Bevölkerungsentwicklung in den Bundesländern Österreichs von 1995 bis 2020 zeigt bei einer österreichweiten Zunahme um 12,2% besonders hohe Bevölkerungsgewinne in Wien (24,3%), aber auch im Westen Österreichs (Tirol und Vorarlberg je 16,5%), andererseits gab es nur leichte Zuwächse bzw. stagnierende Bevölkerungszahlen im Südosten Österreichs, nämlich im Burgenland (+6,3%), in der Steiermark (+4,9%) und in Kärnten (0,0%). Durch die Tendenz zur Verkleinerung der Privathaushalte stieg deren Zahl zwischen 1995 und 2020 mit 28,7% noch stärker als die Bevölkerung. Die höchsten Zunahmen sind in Tirol mit 41,8% und Vorarlberg mit 40,7% zu verzeichnen, die niedrigste Zuwachsrate gibt es in Kärnten (21,8%).

Ca. die Hälfte der gesamten österreichischen Bevölkerung steht im Erwerbsleben. 2020 waren rund 4,3 Mio. erwerbstätig und rund 243.000 arbeitslos, gemessen nach internationalen Definitionen. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der Arbeitslosen in Österreich um 19,0% gestiegen, wobei die stärksten Zunahmen in Tirol (+43,0%) gefolgt von der Steiermark (+36,6%) und Oberösterreich (+33,1%) zu verzeichnen waren. Den geringsten Anstieg an Arbeitslosen gab es 2020 in Niederösterreich mit einem Plus von 4,5% Die meisten Erwerbstätigen wohnten 2020 in Wien (rund 859.000) und Niederösterreich (rund 823.000); im Anteil der Erwerbstätigen an der Bevölkerung zwischen 15 und 64 Jahren (Erwerbstätigenquote) lag Wien auf Grund vieler Personen in Ausbildung mit 65,5% allerdings an letzter Stelle. Die durchschnittliche Erwerbstätigenquote lag 2020 in Gesamtösterreich bei 72,4%. Besonders deutlich ist seit 1995 die Beschäftigung in Tirol (+26,7%) und Vorarlberg (+25,9%) gestiegen. Die Arbeitslosenquote (internationale Definition) ist traditionell in Wien am höchsten, wo sie 2020 einen Wert von 10,7% erreichte. Die niedrigste Arbeitslosenquote wird in Salzburg (3,0%), Tirol (3,1%) und Vorarlberg (3,6%)im Jahr 2020 registriert.

Beim Bruttoregionalprodukt (BRP) gab es im Jahr 2019 in allen Bundesländern Zuwächse, wobei diese in den Regionen unterschiedlich stark ausgeprägt waren. Die Bundesländer verzeichneten gegenüber dem Vorjahr reale Wachstumsraten zwischen +2,0% (Steiermark) und +0,8% (Kärnten). Über dem Österreichschnitt von +1,4% lagen auch noch Tirol und Vorarlberg (je +1,8%), Salzburg (+1,7%), Burgenland (+1,6%) sowie Oberösterreich (+1,5%). In Wien (+1,2%) und Niederösterreich (+0,9%) lag das Wirtschaftswachstum unter dem österreichischen Durchschnitt.

Auf der Verteilungsseite zeigten die Ergebnisse für die österreichischen Regionen folgendes Bild: Die nominellen Wachstumsraten des verfügbaren Einkommens der privaten Haushalte bewegten sich im Jahr 2018 zwischen +3,8% in Oberösterreich und 2,6% in Kärnten – bei einem gesamtösterreichischen Zuwachs von +3,3%. Überdurchschnittliche nominelle Einkommenszuwächse erzielten neben Oberösterreich auch die privaten Haushalte in Wien (+3,5%) sowie in Vorarlberg und Salzburg (je +3,4%).

Um die Regionen untereinander vergleichen zu können, stellt man das BRP bzw. das verfügbare Einkommen in Relation zur Bevölkerung in der jeweiligen Region dar. Während das Bruttoregionalprodukt die Wirtschaftsleistung am Arbeitsort misst, messen die Konten der privaten Haushalte das verfügbare Einkommen in der Wohnsitzregion. Mit einem BRP je Einwohner von 53.600 Euro lag Salzburg 2019 an der Spitze, gefolgt von Wien (52.700 Euro), Vorarlberg (48.400 Euro), Tirol (48.100 Euro) und Oberösterreich (46.000 Euro). Unter dem Österreichschnitt (44.800 Euro) lagen die Steiermark (40.800 Euro), Kärnten (38.300 Euro), Niederösterreich (36.700 Euro) und als Schlusslicht weiterhin das Burgenland (31.600 Euro). Dabei ist zu berücksichtigen, dass es in der Bundeshauptstadt Wien unter anderem durch einen hohen Anteil von Einpendlern und Einpendlerinnen zu einem hohen BRP je Einwohner kommt, während das BRP je Einwohner in Auspendlerregionen (zum Beispiel Burgenland) ein relativ niedriges Niveau aufweist.

Bei der Betrachtung des verfügbaren Einkommens je Einwohner ist generell festzuhalten, dass die Bundesländerniveaus – im Vergleich zu jenen des BRP je Einwohner – näher beieinanderliegen. Das höchste verfügbare Einkommen je Einwohner verzeichneten 2019 die Vorarlberger Haushalte mit 25.200 Euro. Danach folgten die Bundesländer Niederösterreich mit 25.100 Euro, Burgenland mit 24.800 Euro, Salzburg mit 24.700 Euro und Oberösterreich mit 24.500 Euro. Wien lag hinsichtlich des verfügbaren Einkommens je Einwohner mit 22.500 Euro an letzter Stelle. Unter dem österreichischen Durchschnitt von 24.000 Euro lagen auch Kärnten mit 23.600 Euro, Tirol mit 23.800 Euro und die Steiermark mit 23.900 Euro. Betrachtet man das Arbeitnehmerentgelt je Arbeitnehmer (bezogen auf den Arbeitsort) lag 2018 erneut Wien mit 51.100 Euro deutlich an der Spitze, gefolgt von Vorarlberg (47.000 Euro) und Oberösterreich (46.200 Euro). Auf den hinteren Rängen sind wiederum das Burgenland mit 39.300 Euro und die Bundesländer Kärnten, Steiermark, Tirol und Niederösterreich mit Werten zwischen 43.700 Euro und 44.100 Euro zu finden.

Die höchsten regionalen Forschungsquoten im Bundesländervergleich verzeichneten 2017 die Steiermark (4,87% des BRP), Wien (3,60% des BRP) und Oberösterreich (3,46% des BRP).

Mit 20,5% oder 6.510 Betrieben stellte Oberösterreich 2019 den größten Anteil an Industriebetrieben (ÖNACE 2008 B bis E) in Österreich. Dabei lag Oberösterreich gemeinsam mit Kärnten mit einer Betriebsdichte von 4,4 Industriebetrieben pro 1.000 Einwohner an dritter Stelle hinter Vorarlberg (5,0) und Salzburg (4,7), aber deutlich über dem österreichischen Durchschnitt von 3,6 Industriebetrieben pro 1.000 Einwohner. Mit rund 182.000 Erwerbstätigen oder 24,4% war 2019 in Oberösterreich der größte Teil der Erwerbstätigen in der Industrie beschäftigt, gefolgt von Niederösterreich mit rund 133.000(17,8%) und der Steiermark mit rund 126.000 (16,9%) Erwerbstätigen. Mit 21.096 Erwerbstätigen oder 2,8% bildete das Burgenland das Schlusslicht dieser Aufstellung. Die oberösterreichische Industrie erwirtschaftete im Jahr 2019 eine Bruttowertschöpfung zu Herstellungspreisen von 20,0 Mrd. Euro und leistete damit 25,9% des gesamtösterreichischen Industrievolumens von 77,3 Mrd. Euro. Mit jeweils rund 12,6 Mrd. Euro erzielten Niederösterreich und die Steiermark 2019 den zweit- bzw. drittgrößten Anteil an der gesamtösterreichischen industriellen Bruttowertschöpfung.

Die regionale Verteilung der rund 38.000 österreichischen Baubetriebe (ÖNACE 2008: F) gestaltet sich 2019 wie folgt: Niederösterreich wies mit 18,3% die größte Zahl an Baubetrieben auf, gefolgt von Wien (16,5%) und Oberösterreich (15,5%). Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Verteilung der Erwerbstätigen im Bauwesen im Jahr 2019. Hier stellt Oberösterreich den größten Teil mit 19,7%, gefolgt von Niederösterreich (18,7%) und Wien (14,6%). Die durchschnittliche Zahl an Baubetrieben pro 1.000 Einwohner lag 2019 österreichweit bei 4,3. Die höchste Dichte an Baubetrieben (Baubetriebe pro 1000 Einwohner) gab es 2019 im Burgenland und Tirol (je 5,5) gefolgt von Salzburg (5,4). Betrachtet man die Bruttowertschöpfung zu Herstellungspreisen im Jahr 2019, so leisteten die Baubetriebe in Oberösterreich mit 4,4 Mrd. Euro sowie in Wien und in Niederösterreich mit je 4,3 Mrd. Euro zusammen mehr als die Hälfte der österreichischen Bruttowertschöpfung im Bauwesen (ÖNACE 2008 F), die insgesamt 24,2 Mrd. Euro betrug.

Hinsichtlich der Zahl der Handelsbetriebe (ÖNACE 2008: G) lag 2019 Niederösterreich mit 16.087 Betrieben knapp hinter Wien (16.097 Betriebe) an zweiter Stelle gefolgt von Oberösterreich mit 13.765 Betrieben. Die meisten Erwerbstätigen im Handel finden sich 2019 in Niederösterreich (20,4%), Wien (18,8%) und Oberösterreich (17,6%). Die höchste Dichte an Handelsbetrieben war in Salzburg mit 11,2 Handelsbetrieben pro 1.000 Einwohner zu finden, gefolgt von Niederösterreich mit 9,6. Schlusslicht bildete hier Wien mit 8,5 hinter der Steiermark mit 8,8 Betrieben pro 1.000 Einwohner. 2019 erwirtschaftete Wien mit einer Bruttowertschöpfung von 10,9 Mrd. Euro alleine 27,1% des österreichischen Gesamtvolumens im Handel.

Die Regionaldaten der österreichischen Außenhandelsstatistik zeigen folgendes Bild: Im Zeitraum Jänner bis Dezember 2019 wurden nach endgültigen Ergebnissen Waren im Wert von 157,82 Mrd. Euro nach Österreich eingeführt. Mit einem Wert von 38,44 Mrd. Euro hatte Wien in diesem Zeitraum den höchsten Anteil (24,4%) an den gesamtösterreichischen Einfuhren, gefolgt von Oberösterreich (29,40 Mrd. Euro bzw. 18,6%) und Niederösterreich (27,10 Mrd. Euro bzw. 17,2%). Die Ausfuhr von Waren aus Österreich belief sich in der Berichtsperiode auf 153,50 Mrd. Euro. Ein Viertel (39,99 Mrd. Euro bzw. 26,1%) der Ausfuhren entfielen dabei auf Oberösterreich. Die Steiermark war mit 25,95 Mrd. Euro bzw. 16,9% das Bundesland mit den zweithöchsten Ausfuhrwerten, gefolgt von Niederösterreich (22,52 Mrd. Euro bzw. 14,7%).

Pandemiebedingt kommt es 2020 in der österreichischen Tourismuswirtschaft zu einem markanten Einbruch. Die Zahl der Nächtigungen geht im Vergleich zum Vorjahr um 36% zurück. Den stärksten Rückgang verzeichnet Wien mit -74% gefolgt von Niederösterreich (-41%). Mit einem Minus von 17% zeigt Kärnten den geringsten Rückgang. Trotz dieses deutlichen Rückgangs bleibt die Verteilung der Nächtigungen, mit Ausnahme von Wien, nahezu unverändert zu den Vorjahren. Von den rund 97,9 Mio. Nächtigungen im Jahr 2020 fallen mehr als ein Drittel nämlich 34% auf Tirol gefolgt von Salzburg mit rund 20%. Dementsprechend weisen Tirol und Salzburg besonders hohe Tourismusintensitäten (= Übernachtungen je Einwohnerin bzw. Einwohner) auf (66 bzw. 54 Nächtigungen je Einwohnerin bzw. Einwohner), während in den bevölkerungsreichsten drei Bundesländern Niederösterreich (3), Oberösterreich (4) und Wien (2) die Tourismusintensität vergleichsweise gering ist. Eine Analyse der Verteilung der Anzahl der Beherbergungsbetriebe (ohne Campingplätze) nach Bundesländern zeichnet ein ähnliches Bild: Von den rd. 69.000 Beherbergungsbetrieben sind mehr als ein Drittel in Tirol (33%) zu finden, mit Abstand gefolgt von Salzburg und Kärnten mit 18% bzw. 12% der Betriebe. Im Durchschnitt zählt ein österreichischer Beherbergungsbetrieb 2020 17 Gästebetten. Nach Bundesländern zeigt sich, dass die Bettenzahl je Betrieb mit 22 in Niederösterreich am höchsten ist, die kleinsten Betriebe mit durchschnittlich 14 Betten sind in Kärnten zu finden. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer nimmt 2020 gegenüber den Vorjahren zu, sie bewegt sich im Jahr 2020 zwischen 2,3 Tagen in Wien und 4,7 Tagen in Kärnten; über dem Österreichschnitt von 3,9 Tagen liegen zudem Tirol (4,6 Tage) Salzburg (4,3 Tage) und Vorarlberg (4,0 Tage), während die Steiermark (3,4 Tage), das Burgenland (3,1 Tage), Oberösterreich (3,1 Tage) und Niederösterreich (2,8 Tage) unterdurchschnittliche Verweildauern aufweisen.

Bei der Abfrage, Auswertung und Interpretation der einzelnen Daten, ersuchen wir Sie auch die Besonderen Hinweise zu den Daten (Reiter „Hinweise/Hilfe“) zu beachten. Detaillierte Ergebnisse und Informationen zu einzelnen Statistiken erhalten Sie im Zweig Statistiken.

Wichtige wirtschaftliche Eckdaten im Bundesländervergleich
Ranking der Bundesländer Österreichs nach ausgewählten Merkmalen
Regionale Eckdaten für Industrie, Bauwesen und Handel (ÖNACE 2008)
Regionale Entwicklung des Tourismus

Bruttoregionalprodukt je Einwohner 2008 und 2019 nach Bundesländern und Veränderung in %
Bevölkerungsentwicklung von 1995 auf 2019 nach Bundesländern
Betriebe pro 1.000 Einwohner in Industrie, Bau und Handel (ÖNACE 2008) 2019 nach Bundesländern
Erwerbstätige in Industrie, Bau und Handel 2020 nach Bundesländern
Arbeitslosenquoten nach Bundesländern Jahresdurchschnitt 2020


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