Pressemitteilung: 12.576-167/21

Konjunktur-Frühschätzung Juni 2021: Umsätze im Produzierenden Bereich deutlich über Vorkrisenniveau; Transportaufkommen auf der Straße hat im 2. Quartal 2021 stark angezogen

Wien, 2021-07-29 – Für Juni 2021 zeigen die Konjunktur-Frühschätzungen zu Industrie und Bau (ÖNACE B bis F) laut Statistik Austria im Vergleich zum Vorjahresmonat einen Anstieg der Umsätze um 29,8%. Dabei muss aber berücksichtigt werden, dass der Juni 2020 aufgrund der Corona-Pandemie mit rund 7% im Minus lag. Der Beschäftigtenindex verbuchte einen moderaten Anstieg (+1,3%), der Index der geleisteten Arbeitsstunden stieg kräftiger (+12,7%; siehe Tabelle 1).

"Österreichs Industrie und Bau erweisen sich weiter als Konjunkturlokomotiven in der ausklingenden Corona-Krise und konnten im Juni 2021 sogar noch einen Gang zulegen. Die Umsätze lagen 21,1% über dem Vorkrisenniveau vom Juni 2019. Damit hat der Produzierende Bereich die wirtschaftliche Corona-Krise bereits deutlich hinter sich gelassen", so Statistik Austria-Generaldirektor Tobias Thomas.

Den vorliegenden nominellen Daten für April 2021 lagen die Ergebnisse von 76.011 Unternehmen des gesamten Produzierenden Bereichs (Sachgüterbereich und Bau) zugrunde. Diese realisierten mit 1.001.095 unselbständig Beschäftigten (+3,9%) Umsatzerlöse in Höhe von 27,4 Mrd. Euro. Das entspricht einem nominellen Umsatzplus von 45,7% gegenüber April 2020, jenem Monat, der in Österreich von Einschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie besonders betroffen war. Auch der Sachgüterbereich lag gegenüber April 2020 bei nomineller Betrachtung aufgrund der überaus positiven Entwicklung des industriellen Umfelds deutlich im Plus (+45,9% auf 22,6 Mrd. Euro). Nach etwas schwächeren Wintermonaten nahm auch die Baukonjunktur im April 2021 volle Fahrt auf (+44,5% auf 4,8 Mrd. Euro; siehe Tabelle 2).

Auch die Frühschätzung für das Transportaufkommen österreichischer Unternehmen im Straßengüterverkehr ergab für das 2. Quartal 2021 einen Zuwachs um 22,7% auf 109,1 Millionen Tonnen gegenüber dem Vorjahresquartal (88,9 Mio. t).

Sattes Produktionsplus im Sachgüterbereich im April 2021

Gegenüber dem Vorjahresmonat erhöhte sich die Produktion im gesamten Sachgüterbereich (Abschnitte B bis E der ÖNACE 20008) im April 2021 nominell um 46,4% auf 22,2 Mrd. Euro. Die mit Abstand größte Produktionssteigerung innerhalb der zehn größten Branchen des Sachgüterbereichs verzeichneten dabei die vom Lockdown im Vorjahr besonders betroffene Abteilung "Herstellung von Metallerzeugnissen" mit +295,1% auf 1,5 Mrd. Euro. Stark erholt zeigten sich auch der "Maschinenbau" (+69,0% auf 2,2 Mrd. Euro), die "Herstellung von Holz-, Flecht-, Korb- und Korkwaren (ohne Möbel)" (+56,5% auf 952,5 Mio. Euro), die "Metallerzeugung und -bearbeitung" (+54,3% auf 1,6 Mrd. Euro"), die "Energieversorgung" (+51,5% auf 4,0 Mrd. Euro) sowie die "Herstellung von Kraftwagen und Kraftwagenteilen" (+46,8% auf 1,6 Mrd. Euro; siehe Tabelle 3).

Konjunktur-Frühschätzungen Juni 2021: kräftige Erholung bei den Umsätzen in Industrie und Bau

Die Frühschätzung für Juni 2021 zu Industrie und Bau zeigt sowohl für die Industrie (+32,2% im Vergleich zum Vorjahr) als auch für den Baubereich (+18,2%) eine stark positive Entwicklung der Umsätze. Verglichen mit dem Vorkrisenniveau im Juni 2019 stieg der Umsatzindex in der Industrie um 21,4% und im Bauwesen um 18,7%. Für den gesamten Produzierenden Bereich ergab sich ein Plus von 21,1% gegenüber Juni 2019. Das Arbeitsvolumen stieg im Vergleich zum Vorjahresmonat Juni 2020 in der Industrie um 12,9%, im Baubereich um 11,9%. Beim Beschäftigungsindex gab es im Industriebereich einen leichten Zuwachs (+0,5%), der Anstieg im Baubereich war mit +4,1% deutlich kräftiger.

Straßengüterverkehr-Frühschätzungen 2. Quartal 2021: starke Zunahme beim Straßengüterverkehr österreichischer Unternehmen

Die Frühschätzung für das Transportaufkommen österreichischer Unternehmen im Straßengüterverkehr ergab für das 2. Quartal 2021 mit 109,1 Millionen Tonnen (Mio. t) einen Zuwachs um 22,7% gegenüber dem Vorjahresquartal (88,9 Mio. t). Dabei stieg die Transportleistung im In- und Ausland um 16,2% auf 7,1 Milliarden Tonnenkilometer (Mrd. tkm), die Anzahl der beladenen Fahrten erhöhte sich um 19,5% auf 7,8 Mio. beladene Fahrten. Die Transportleistung innerhalb des Bundesgebietes nahm um 17,4% auf 5,2 Mrd. tkm zu, während jene außerhalb Österreichs um 12,7% auf 1,9 Mrd. tkm anstieg.

Auch im Vergleich zu dem Referenzquartal vor der Coronakrise, also dem 2. Quartal 2019, wurden Zunahmen registriert. Das Transportaufkommen erhöhte sich verglichen mit dem 2. Quartal 2019 um 3,3% auf 109,1 Mio. t im 2. Quartal 2021, die Gesamttransportleistung stieg im selben Zeitraum von 6,6 Mrd. tkm um 7,0% auf 7,1 Mrd. tkm. Auf der Inlandstrecke erhöhte sich die Transportleistung von 4,8 Mrd. tkm um 9,5% auf 5,2 Mrd. tkm, im Ausland hingegen nur um 0,4% auf 1,9 Mrd. t (1. Quartal 2019: 1,8 Mrd. tkm).

Weitere Informationen

Weitere Informationen zur Konjunkturerhebung im Produzierenden Bereich sowie zur Frühschätzung für Industrie und Bau finden Sie auf unserer Webseite. Detaillierte Ergebnisse zum Straßengüterverkehr österreichischer Unternehmen stehen ebenfalls auf unserer Webseite zur Verfügung. Einen Überblick über die Wirtschaftsentwicklung Österreichs anhand von 80 Konjunkturmerkmalen bietet der Konjunkturmonitor von Statistik Austria. Ebenso stehen eine detaillierte Darstellung und Beschreibung der wichtigsten konjunkturrelevanten nominellen Daten (PDF, 212 KB) zur Verfügung.

 

Informationen zur Methodik, Definitionen: Die gegenständlichen Hauptergebnisse basieren zum einen auf den primärstatistischen Daten der Konjunkturerhebung im Produzierenden Bereich, zum anderen auf einem modellbasierten Ansatz zur Datenergänzung (MDE). Letzterer versucht sowohl die Merkmalszusammenhänge der monatlichen Konjunkturerhebung einzubinden als auch die Informationen aus den verschiedenen Verwaltungsquellen effizient zu nutzen. Dadurch soll die Struktur der Grundgesamtheit (somit 100%) der Konjunkturstatistik im Produzierenden Bereich auf Aktivitätsebene als Kombination aus Primärdaten, Sekundärdaten und Modellrechnung dargestellt werden. Detaillierte methodische Beschreibungen finden sich auf unserer Webseite
Mit dem Berichtsmonat Jänner 2021 wurde im statistischen Unternehmensregister (URS) der Statistik Austria ein neues Konzept zur Aufnahme- und Löschung von statistischen Einheiten implementiert, durch das die teils hohen Veränderungen der ausgewiesenen Unternehmen und Betriebe im Vergleich zum Vorjahresmonat erklärt werden können. Für die Aufnahmen von Einheiten in das URS wurden – gemäß den europäischen Konzepten – die Schwellen entsprechend herabgesetzt. Nunmehr gelten alle Einheiten als aktiv, die einen Umsatz von 50 Euro/Monat bzw. 150 Euro/Quartal bzw. 500 Euro/Jahr aufweisen (vormals: 1.000 Euro/Monat bzw. 3.000 Euro/Quartal bzw. 10.000 Euro/Jahr). Dadurch erhöhte sich die Grundgesamtheit im Produzierenden Bereich um etwa 10.000 Unternehmen. 
Die Erhebungsform des Straßengüterverkehrs
ist eine kombinierte Zeit- und Fahrzeugstichprobe. Die ausgewählten Kraftfahrzeuge eines Fahrzeughalters erhalten dabei dieselbe Berichtswoche zugewiesen, sodass dieser maximal einmal pro Quartal für eine Berichtswoche meldepflichtig ist. Die Auswahl der Kraftfahrzeuge (Lastkraftwagen mit zwei und mehr Tonnen Nutzlast bzw. Sattelzugmaschinen) erfolgte bis inklusive 2015 gesondert für jedes Quartal. Ab dem Berichtsjahr 2016 erfolgt die Stichprobenziehung einmal jährlich, wobei es im Falle von Ausfällen quartalsweise zu Ergänzungen kommt. Durch die neue Vorgehensweise wird der Stichprobenfehler deutlich verringert. 
Transportaufkommen:
Menge der beförderten Güter in Tonnen. 
Transportleistung: Produkt aus Transportaufkommen und der zurückgelegten Wegstrecke in Kilometern. 
Konjunktur-Frühschätzung:  
Die Schätzungen basieren einerseits auf historischen Entwicklungen und Korrelationen zwischen einzelnen Variablen, zum anderen auf Meldungen, die bis zum Zeitpunkt der 30-Tage-Schätzung bereits zur Verfügung stehen. Dem Modell liegt die Annahme zugrunde, dass fehlende Meldungen eine ähnliche Entwicklung aufweisen wie die Daten der bereits eingegangenen Meldungen der Unternehmen.  
Der Begriff Industrie entspricht hier dem Produzierenden Bereich ohne Bau (ÖNACE 2008 – Abschnitte B bis E) und beinhaltet auch Gewerbebetriebe. Somit ist dieser Begriff nicht ident mit dem Begriff Industrie laut Kammersystematik der Wirtschaftskammer Österreich.  
Qualität der t+30-Schätzung: Ein wesentlicher Qualitätsaspekt für die Schätzung ist die automatische Ausreißererkennung und -korrektur. Zu t+30 sind etwa 60% aller Meldungen eingelangt, diese weisen aber – aufgrund der zu diesem Zeitpunkt noch nicht durchgeführten Plausibilitätsprüfungen – zum Teil noch Qualitätsmängel auf. Die Ausreißererkennung basiert auf einem univariaten Zeitreihenmodell. Die Sensitivität dieser Prozedur wurde heuristisch so kalibriert, dass nicht zu viele korrekt gemeldete Werte ersetzt, andererseits aber die meisten fehlerhaften Meldungen eliminiert wurden.  
Somit hängt die Qualität der t+30-Schätzung einerseits davon ab, inwiefern die wesentlichsten fehlerhaften Meldungen identifiziert und korrigiert werden konnten. Andererseits wird in dem zugrundeliegenden Modell eine Korrelation der früh und spät eingelangten Meldungen vorausgesetzt. Diese Abhängigkeit hat sich im Beobachtungszeitraum 2013–2020 nicht wesentlich geändert. Strukturbrüche, die etwa durch Krisen wie der Corona-Pandemie verursacht werden, könnten Probleme bei der Ausreißeridentifikation hervorrufen (plötzlich auftretende Nullwerte, die als Ausreißer erkannt und ersetzt werden). Weiters können aufgrund der aktuellen Situation Nachmeldungen und größere Revisionen nicht ausgeschlossen werden. 
Straßengüterverkehr-Frühschätzung:
 
Ab August 2017 publiziert Statistik Austria Schnellschätzer (flash estimates) zum Transportaufkommen und zur Transportleistung im Straßengüterverkehr österreichischer Unternehmen. Diese Schätzer werden einen Monat nach Ende des Berichtsquartals auf der Webseite veröffentlicht. Detaillierte Ergebnisse erscheinen wie bisher fünf Monate nach Ende des Berichtsquartals. Details zur Entwicklung dieser Schnellschätzer finden sich in dem Artikel „Erhebung zum Straßengüterverkehr – Neuer Stichprobenplan und Entwicklung von Schnellschätzern“ von Karner, T., Weninger, B., Schuster, S. und Fleck, S. in den Statistischen Nachrichten, Heft 4, 2018 (PDF, 0,4 MB).

 

Tabelle 1: Konjunkturindikatoren (endgültige, vorläufige und Frühschätzungen zu t+30 für Juni 2021); Umsatz-, Beschäftigten- und Arbeitsvolumenindex im Produzierenden Bereich (Basis 2015), ÖNACE 2008
2021Insgesamt (B–F)VJMIndustrie (B–E)VJMBauwesen (F)VJM
Umsatzindex1)
April2)129,048,1126,148,9149,143,8
Mai3)124,237,5120,641,5149,419,0
Juni 4)136,229,8131,432,2169,218,2
Beschäftigtenindex1)
April2)109,82,3106,20,5122,08,1
Mai3)110,01,8106,30,5122,55,2
Juni 4)110,31,3106,60,5123,44,1
Index der geleisteten Arbeitsstunden1)
April2)113,020,7109,217,9126,029,6
Mai3)106,313,3102,014,1120,711,2
Juni4)111,712,7106,612,9128,511,9
Tabelle 2: Ergebnisse der Unternehmen – April 2021
ÖNACE 2008-Gliederung1)UnternehmenUnselbständig BeschäftigteBrutto-VerdiensteUmsatz
Stand Ende April 2021in Mio. EuroVeränderung
nom. In %2)a. b. in %3)
April 2021
Sachgüterbereich36.448694.0322.580,222.614,645,946,0
Darunter
Herstellung von Waren (inkl. Bergbau)29.909645.4622.372,917.906,546,1-
Energieversorgung3.64927.197139,04.144,548,5-
Wasserversorgung und Abfallentsorgung2.89021.37368,2563,626,3-
Bau39.563307.063928,04.775,544,544,6
Produzierender Bereich insgesamt76.0111.001.0953.508,227.390,245,745,8
Tabelle 3: Ausgewählte Branchen des Sachgüterbereichs – Wert der abgesetzten Produktion – April 2021
SACHGÜTERBEREICH 
April 2021
Abgesetzte Produktion in Mio. EuroVeränderung zum Vorjahr in %1)
Sachgüterbereich insgesamt22.184,346,4
darunter
Energieversorgung4.008,451,5
Maschinenbau2.214,769,0
Herstellung von Kraftwagen und Kraftwagenteilen1.629,346,8
Metallerzeugung und -bearbeitung1.571,054,3
Herstellung von Metallerzeugnissen1.521,4295,1
Herstellung von Nahrungs- und Futtermitteln1.437,28,7
Herstellung von elektrischen Ausrüstungen1.065,336,6
Herstellung von Holz-, Flecht-, Korb- und Korkwaren (ohne Möbel)952,556,5
Herstellung von Datenverarbeitungsgeräten, elektronischen und optischen Erzeugnissen819,532,7
Herstellung von chemischen Erzeugnissen737,126,4
Tabelle 4: Quartalsergebnisse des Transportaufkommens im Straßengüterverkehr von österreichischen Unternehmen 2017 bis 2021
BerichtsjahrTransportaufkommen in Mio. t
1. Quartal2. Quartal3. Quartal4. QuartalGesamt
20211)88,62)109,1---
Vergleich zum Vorjahr17,422,7---
202075,588,9108,5102,6375,5
Vergleich zum Vorjahr in %-5,5-15,8-2,9-2,3-6,6
201979,9105,6111,7105,0402,2
Vergleich zum Vorjahr in %0,3-2,65,26,02,3
201879,6108,4106,299,1393,3
Vergleich zum Vorjahr in %1,86,2-0,9-0,31,7
201778,2102,1107,199,4386,9
Vergleich zum Vorjahr in %7,61,0-1,55,92,8

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