Pressemitteilung: 12.505-096/21

Konjunktur-Frühschätzung für März 2021 deutet auf kräftige Erholung der Umsätze im produzierenden Bereich (+27,6%); im Jänner 2021 lag das Umsatzminus noch bei 3,4%

Wien, 2021-04-30 – Für März 2021 zeigen die Konjunktur-Frühschätzungen zu Industrie und Bau (ÖNACE B bis F) laut Statistik Austria im Vergleich zum Vorjahresmonat einen kräftigen Anstieg der Umsätze um 27,6%. Dabei muss aber berücksichtigt werden, dass der März 2020 aufgrund der einsetzenden Corona-Pandemie bereits mit rund 10% im Minus lag. Der Beschäftigtenindex verbuchte einen moderaten Anstieg (+2,3%), der Index der geleisteten Arbeitsstunden entwickelte sich kräftiger (+15,2%; siehe Tabelle 1).

"Industrie und Bau zünden den Corona-Erholungs-Turbo. Erste Konjunktur-Frühschätzungen für März 2021 zeigen für den produzierenden Bereich einen Anstieg der Umsätze um 27,6 % im Vergleich zum Vorjahresmonat. Das stellt den kräftigsten Anstieg seit dem EU-Beitritt Österreichs dar. Auch die Aufholeffekte im Zuge der Wirtschafts- und Finanzkrise 2008/09 waren geringer. Zudem liegen die Umsätze von Industrie und Bau nun bereits über dem Vorkrisenniveau", so Statistik-Austria-Generaldirektor Tobias Thomas.

Im Jänner 2021 hatten die 76.626 Unternehmen des gesamten Produzierenden Bereichs (Sachgüterbereich und Bau) mit 943.507 unselbständig Beschäftigten (-0,8%) Umsatzerlöse in Höhe von 21,4 Mrd. Euro realisiert. Das entspricht einem Umsatzrückgang von 3,4% gegenüber dem Vorjahresmonat. Auch der Sachgüterbereich bilanzierte gegenüber Jänner 2020 bei nomineller Betrachtung negativ (-3,0% auf 18,8 Mrd. Euro). Nach einem guten November kühlte sich die Baukonjunktur nach einem schwachen Dezember 2020 auch im Jänner 2021 weiter ab (-6,4% auf 2,7 Mrd. Euro; siehe Tabelle 2)

Konjunktur-Frühschätzungen März 2021: kräftige Erholung bei den Umsätzen in Industrie und Bau

Die Frühschätzung für März 2021 zu Industrie und Bau zeigt sowohl für die Industrie (+27,3% im Vergleich zum Vorjahr) als auch für den Baubereich (+29,2%) eine stark positive Entwicklung der Umsätze. Das Arbeitsvolumen stieg im Vorjahresvergleich in der Industrie um 15,2%, im Baubereich sogar um 36,4%. Beim Beschäftigungsindex gab es im Industriebereich einen leichten Rückgang (-0,3%), während sich die Beschäftigung im Baubereich im Vergleich zum März 2020 positiv entwickelte (+11,0%).

Produktionsminus im Sachgüterbereich im Jänner 2021

Gegenüber dem Vorjahresmonat nahm die Produktion im gesamten Sachgüterbereich (Abschnitte B bis E der ÖNACE 20008) im Jänner 2021 nominell um 2,8% auf 18,6 Mrd. Euro ab. Die größten Produktionseinbußen innerhalb der zehn größten Branchen des Sachgüterbereichs verzeichneten dabei der "Maschinenbau" (-17,8% auf 1,5 Mrd. Euro), die "Herstellung von Kraftwagen und Kraftwagenteilen" (-16,2% auf 1,2 Mrd. Euro), die "Herstellung von Nahrungs- und Futtermitteln" (-14,3% auf 1,3 Mrd. Euro) sowie die "Herstellung von elektrischen Ausrüstungen" (-10,3% auf 888,4 Mio. Euro). Stark positiv – bedingt vor allem durch die gestiegenen Energiehandelstätigkeiten – bilanzierte der Energiesektor über den Jänner 2021 (+29,6% auf 4,7 Mrd. Euro; siehe Tabelle 3).

Weitere Informationen

Detaillierte Ergebnisse bzw. weitere Informationen zur Konjunkturerhebung im Produzierenden Bereich sowie zur Frühschätzung für Industrie und Bau finden Sie auf unserer Webseite. Einen Überblick über die Wirtschaftsentwicklung Österreichs anhand von 80 Konjunkturmerkmalen bietet der Konjunkturmonitor von Statistik Austria. Eine detaillierte Darstellung und Beschreibung der wichtigsten konjunkturellen Absolutdaten (PDF, 163 KB).

Informationen zur Methodik, Definitionen: Die gegenständlichen Hauptergebnisse basieren zum einen auf den primärstatistischen Daten der Konjunkturerhebung im Produzierenden Bereich, zum anderen auf einem modellbasierten Ansatz zur Datenergänzung (MDE). Letzterer versucht sowohl die Merkmalszusammenhänge der monatlichen Konjunkturerhebung einzubinden als auch die Informationen aus den verschiedenen Verwaltungsquellen effizient zu nutzen. Dadurch soll die Struktur der Grundgesamtheit (somit 100%) der Konjunkturstatistik im Produzierenden Bereich auf Aktivitätsebene als Kombination aus Primärdaten, Sekundärdaten und Modellrechnung dargestellt werden. Detaillierte methodische Beschreibungen finden sich auf unserer Webseite
Den Unternehmensergebnissen liegen dabei alle dem Produzierenden Bereich zuzurechnenden Ein- und Mehrbetriebsunternehmen zugrunde. Die Betriebsdaten hingegen zeigen die Ergebnisse jener Betriebe, deren Schwerpunkt im Produzierenden Bereich liegt; unabhängig des wirtschaftlichen Schwerpunkts der den Betrieben übergeordneten Unternehmen.  
Mit dem Berichtsmonat Jänner 2021 wurde im statistischen Unternehmensregister (URS) der Statistik Austria ein neues Konzept zur Aufnahme- und Löschung von statistischen Einheiten implementiert, durch das die teils hohen Veränderungen der ausgewiesenen Unternehmen und Betriebe im Vergleich zum Vorjahresmonat erklärt werden können. Für die Aufnahmen von Einheiten in das URS wurden - gemäß den europäischen Konzepten - die Schwellen entsprechend herabgesetzt. Nunmehr gelten alle Einheiten als aktiv, die einen Umsatz von 50 Euro/Monat bzw. 150 Euro/Quartal bzw. 500 Euro/Jahr aufweisen (vormals: 1.000 Euro/Monat bzw. 3.000 Euro/Quartal bzw. 10.000 Euro/Jahr). Dadurch erhöhte sich die Grundgesamtheit im Produzierenden Bereich um etwa 10.000 Unternehmen. 
Konjunktur-Frühschätzung:  
Die Schätzungen basieren einerseits auf historischen Entwicklungen und Korrelationen zwischen einzelnen Variablen, zum anderen auf Meldungen, die bis zum Zeitpunkt der 30-Tage-Schätzung bereits zur Verfügung stehen. Dem Modell liegt die Annahme zugrunde, dass fehlende Meldungen eine ähnliche Entwicklung aufweisen wie die Daten der bereits eingegangenen Meldungen der Unternehmen.  
Der Begriff Industrie entspricht hier dem Produzierenden Bereich ohne Bau (ÖNACE 2008 – Abschnitte B bis E) und beinhaltet auch Gewerbebetriebe. Somit ist dieser Begriff nicht ident mit dem Begriff Industrie laut Kammersystematik der Wirtschaftskammer Österreich.  
Qualität der t+30-Schätzung:  Ein wesentlicher Qualitätsaspekt für die Schätzung ist die automatische Ausreißererkennung und -korrektur. Zu t+30 sind etwa 60% aller Meldungen eingelangt, diese weisen aber – aufgrund der zu diesem Zeitpunkt noch nicht durchgeführten Plausibilitätsprüfungen – zum Teil noch Qualitätsmängel auf. Die Ausreißererkennung basiert auf einem univariaten Zeitreihenmodell. Die Sensitivität dieser Prozedur wurde heuristisch so kalibriert, dass nicht zu viele korrekt gemeldete Werte ersetzt, andererseits aber die meisten fehlerhaften Meldungen eliminiert wurden.  
Somit hängt die Qualität der t+30-Schätzung einerseits davon ab, inwiefern die wesentlichsten fehlerhaften Meldungen identifiziert und korrigiert werden konnten. Andererseits wird in dem zugrundeliegenden Modell eine Korrelation der früh und spät eingelangten Meldungen vorausgesetzt. Diese Abhängigkeit hat sich im Beobachtungszeitraum 2013–2020 nicht wesentlich geändert. Strukturbrüche, die etwa durch Krisen wie der Corona-Pandemie verursacht werden, könnten Probleme bei der Ausreißeridentifikation hervorrufen (plötzlich auftretende Nullwerte, die als Ausreißer erkannt und ersetzt werden). Weiters können aufgrund der aktuellen Situation Nachmeldungen und größere Revisionen nicht ausgeschlossen werden.

 

Tabelle 1: Konjunkturindikatoren (endgültige, vorläufige und Frühschätzungen zu t+30 für März 2021); Umsatz-, Beschäftigten- und Arbeitsvolumenindex im Produzierenden Bereich (Basis 2015), ÖNACE 2008
2021Insgesamt (B–F)VJMIndustrie (B–E)VJMBauwesen (F)VJM
Umsatzindex1)
Jänner2)101,0-3,8103,9-3,580,9-6,1
Februar3)115,08,7116,49,5105,42,5
März4)143,027,6142,527,3146,129,2
Beschäftigtenindex1)
Jänner2)105,0-1,4105,2-1,9104,10,2
Februar3)106,2-0,7105,6-1,5108,22,3
März4)108,92,3106,2-0,3118,111,0
Index der geleisteten Arbeitsstunden1)
Jänner2)92,2-6,895,1-6,982,5-6,0
Februar3)104,50,0104,8-1,2103,54,4
März4)118,815,2116,29,7127,836,4
Tabelle 2: Ergebnisse der Unternehmen – Jänner 2021
ÖNACE 2008-Gliederung1)UnternehmenUnselbständig BeschäftigteBrutto-VerdiensteUmsatz
Stand Ende Jänner 2021in Mio. EuroVeränderung
nom. In %2)a. b. in %3)
Jänner 2021
Sachgüterbereich36.637685.3772.353,318.770,9-3,02,5
Darunter
Herstellung von Waren (inkl. Bergbau)30.043637.2882.163,113.633,5-10,6-
Energieversorgung3.71626.941127,84.666,031,1-
Wasserversorgung und Abfallentsorgung2.87821.14862,5471,4-12,1-
Bau39.989258.130773,72.656,3-6,40,4
Produzierender Bereich insgesamt76.626943.5073.127,021.427,2-3,42,3
Tabelle 3: Ausgewählte Branchen des Sachgüterbereichs – Wert der abgesetzten Produktion – Jänner 2021
SACHGÜTERBEREICH 
Jänner 2021
Abgesetzte Produktion in Mio. EuroVeränderung zum Vorjahr in %1)
Sachgüterbereich insgesamt18.616,9-2,8
darunter
Energieversorgung4.735,529,6
Maschinenbau1.533,3-17,8
Metallerzeugung und -bearbeitung1.313,1-4,9
Herstellung von Nahrungs- und Futtermitteln1.267,2-14,3
Herstellung von Kraftwagen und Kraftwagenteilen1.244,8-16,2
Herstellung von Metallerzeugnissen1.138,6-5,6
Herstellung von elektrischen Ausrüstungen888,4-10,3
Herstellung von chemischen Erzeugnissen672,4-1,2
Herstellung von Datenverarbeitungsgeräten, elektronischen und optischen Erzeugnissen619,12,4
Herstellung von Holz-, Flecht-, Korb- und Korkwaren (ohne Möbel)600,9-2,4

Rückfragen zur Konjunkturstatistik beantworten in der Direktion Unternehmen, Statistik Austria:  
Florian LANG, MSc, Tel.: +43 1 71128-7431 bzw. florian.lang@statistik.gv.at 
Dr. Martin HIRSCH, Tel.: +43 1 71128-7627 bzw. martin.hirsch@statistik.gv.at 
Mag. Nina WALTNER, Tel.: +43 1 71128-7317 bzw. nina.waltner@statistik.gv.at

Rückfragen zur Konjunktur-Frühschätzung beantwortet in der Direktion Unternehmen, Statistik Austria:  
Gerhard GRASSL, Tel.: +43 1 71128-7441 bzw. gerhard.grassl@statistik.gv.at

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