Ehescheidungen

Langfristiger Trend

Die Zahl der gerichtlichen Ehescheidungen lag in den 1980er und 1990er Jahren bei rund 17.000 pro Jahr. Die bislang höchste absolute Zahl der Ehescheidungen wurde mit 20.582 im Jahr 2001 erreicht. In den Folgejahren schwankten die Ehescheidungszahlen zwischen 20.516 (2007) und 17.006 (2012). Von 2013 bis 2017 betrug die Zahl der jährlichen Ehescheidungen Ø 16.200. Im Jahr 2018 betrug die Zahl der Ehescheidungen 16.304, um 124 oder 0,8% mehr als im Vorjahr.

Die Gesamtscheidungsrate (Wahrscheinlichkeit, mit der im jeweiligen Jahr geschlossene Ehen bei unverändertem Scheidungsverhalten durch eine Scheidung enden) erhöhte sich von 26,5% im Jahr 1981 auf den bisherigen Höchstwert von 49,5% im Jahr 2007. Im Jahr 2018 betrug die Gesamtscheidungsrate 41,0% und war damit gleich hoch wie 2017. Die mittlere Ehedauer der geschiedenen Ehen verlängerte sich zwischen 1981 und 2018 von 7,7 auf 10,6 Jahre.

Aktuelle Jahresergebnisse

Im Bundesländervergleich war die Gesamtscheidungsrate 2018 in Wien mit 46,7% am höchsten, gefolgt von Niederösterreich (44,5%), Vorarlberg (41,9%) und dem Burgenland (41,2%). In Tirol war die Gesamtscheidungsrate mit 36,2% am niedrigsten. In den übrigen Bundesländern lag sie zwischen 36,5% und 38,6% und damit unter dem Österreichwert von 41,0%.

Im Jahr 2018 erfolgten 14.073 bzw. 86,3% (2017: 88,0%) aller Ehescheidungen in beiderseitigem Einvernehmen (§55a Ehegesetz). Bei den insgesamt 1.973 strittig bzw. nach ausländischem Recht geschiedenen Ehen war zu 49,8% der Mann Träger des Verschuldens, zu 9,9% die Frau, zu 29,8% beide sowie in 10,5% der Fälle keiner von beiden.

Die mittlere Ehedauer (Median) der im Jahr 2018 geschiedenen Ehen lag mit 10,6 Jahren etwas unter dem Niveau des Vorjahres (2017: 10,7 Jahre). Dabei fanden 1,5% der Ehescheidungen bereits innerhalb des ersten Ehejahres, weitere 4,8% im Laufe des zweiten Ehejahres statt. Insgesamt betraf fast die Hälfte aller Ehescheidungen Ehen mit einer Ehedauer von weniger als zehn Jahren (47,7%). Etwa jede siebente Ehescheidung (14,0%) erfolgte nach der Silberhochzeit, darunter waren auch 38 Paare, die sich erst nach der Goldenen Hochzeit scheiden ließen.

Männer waren 2018 bei der Ehescheidung im Mittel 45,5 Jahre, und Frauen 42,3 Jahre alt. Damit stieg das mittlere Scheidungsalter (Median) für Männer um 0,2 Jahre und für Frauen um 0,1 Jahr im Vergleich zum Vorjahr.

Insgesamt 18.639 Kinder, davon 12.927 (69,4%) minderjährig, waren von der Ehescheidung ihrer Eltern betroffen. Die Ex-Ehepaare hatten somit im Durchschnitt 1,14 Kinder (aller Altersstufen), mehr als die Hälfte davon jünger als 14 Jahre (53,9%).

Pro Monat wurden 2018 durchschnittlich 1.359 Ehen gerichtlich geschieden. Die meisten Ehescheidungen erfolgten 2018 im Oktober (1.534), gefolgt von den Monaten März (1.496) und Juli (1.405), während im August nur 1.092 Ehen rechtskräftig geschieden wurden.

Statistische Kuriositäten

Innerhalb des ersten Ehemonates wurde ein Ehepaar wieder geschieden. Ein anderes Paar, mit zusammen 183 Jahren zugleich das älteste Ehepaar, ließ sich nach 69 Jahren Ehe scheiden, was zugleich die längste Ehedauer in diesem Jahr war. Dies war mit 93 Jahren auch die älteste Frau, die sich von ihrem 90-jährigen Mann trennte.

Der mit 95 Jahren älteste Mann trennte sich nach 47 Ehejahren von seiner um 19 Jahre jüngeren Frau.

Der größte Altersunterschied zwischen Mann und Frau war bei einem ehemaligen Ehepaar 44 Jahre: ein 69-jähriger Mann trennten sich nach 5 Ehejahren von seiner 25-jährigen Ehefrau. Der höchste umgekehrte Altersunterschied war bei einem anderen Ex-Ehepaar 33 Jahre: eine 63-jährige Frau trennte sich im zweiten Ehejahr von ihrem 30-jährigen Mann.

Methodische Informationen, Definitionen:

Die Aufarbeitung der gerichtlichen Ehelösungen erfolgt jährlich auf Basis der Meldungen der rund 120 Bezirksgerichte Österreichs und seit dem Berichtsjahr 2018 in Abgleich mit den vom Zentralen Personenstandsregister übermittelten Daten. Darum sind 2018 auch erstmals 258 im Ausland erfolgte Ehescheidungen von Personen mit Hauptwohnsitz in Österreich enthalten. Nicht berücksichtigt sind dagegen in Österreich stattfindende Ehelösungen von im Ausland wohnhaften Personen.

Die regionale Zuordnung der publizierten Daten erfolgt nach dem Aufenthaltsort des Mannes. Sollte dieser nicht bekannt sein, nach jenem der Frau.

Die Gesamtscheidungsrate gibt den Prozentsatz geschiedener Ehen an, der aufgrund der im Berichtsjahr beobachteten ehedauerspezifischen Scheidungsraten für aktuell geschlossene Ehen zu erwarten ist, falls sich an diesen ehedauerspezifischen Scheidungsraten in Zukunft nichts ändern würde. Für die Berechnung werden die Ehescheidungen in Beziehung gesetzt zu jenen Eheschließungsjahrgängen, aus denen sie stammen und die Summe der daraus resultierenden Einzelraten gebildet.

Die voraussichtlichen Publikationstermine weiterer Ergebnisse sind unter Veröffentlichungskalender zu finden.

Ergebnisse im Überblick: Ehescheidungen
Ehescheidungen, Scheidungsrate und Gesamtscheidungsrate seit 1946
Ehescheidungen und Gesamtscheidungsrate seit 1995 nach Bundesländern
Ehescheidungen seit 2006 nach Paragraph des Ehegesetzes und Bundesländern
Ehescheidungen seit 2005 nach Bundesland, nach der Kinderzahl und dem Alter der Kinder
Ehescheidungen seit 2005 nach Ereignismonaten und Bundesländern
Eheschließungen und Ehescheidungen, Begründungen und Auflösungen eingtragener Partnerschaften 2018 nach Politischen Bezirken
Natürliche Bevölkerungsbewegung, Eheschließungen, Ehescheidungen sowie Begründungen und Auflösungen eingetragener Partnerschaften 2019 nach Politischen Bezirken - vorläufige Ergebnisse

Ehescheidungen und Gesamtscheidungsrate seit 1951
Ehescheidungsrate nach der Ehedauer seit 1971
Infografik Eheschließungen und Scheidungen im Jahr 2018

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