Pressemitteilung: 12.271-111/20

Arbeitsmarkt erholt sich im Mai 2020 allmählich: 50.300 Personen mehr erwerbstätig als im April, aber 135.800 weniger als im Mai 2019

Wien, 2020-07-01 – Die Maßnahmen aufgrund der Corona-Pandemie sowie ihre schrittweisen Lockerungen zeigen für die Monate März bis Mai 2020 deutliche, branchenspezifisch unterschiedliche Auswirkungen auf den österreichischen Arbeitsmarkt. Laut Statistik Austria endeten in diesem Zeitraum 434.000 Fälle unselbständiger Erwerbstätigkeit, in 358.000 Fällen wurde eine Beschäftigung neu aufgenommen. "Die Corona-Krise hat den Arbeitsmarkt massiv getroffen. So ist der Beschäftigungsrückgang zum Beispiel wesentlich kräftiger ausgefallen als in der Finanzkrise 2009. Inzwischen erholt sich der Arbeitsmarkt allerdings immer mehr", so Tobias Thomas, fachstatistischer Generaldirektor von Statistik Austria. "Im Mai war die Zahl der Erwerbstätigen zwar noch deutlich geringer als im Vorjahresmonat, aber immerhin bereits rund 50.000 Personen höher als im April. Damit ist ein Gutteil der Jobverluste aus der zweiten Märzhälfte bereits wieder aufgeholt: 43% der Personen, die damals ihren Job verloren hatten, waren bis Ende Mai wieder in Lohn und Brot.", sagt Thomas weiter.

Auch die tatsächlich geleistete Arbeitszeit stieg im Mai deutlich an und nahm mit durchschnittlich 28,9 Stunden um 3,3 Stunden gegenüber dem April 2020 zu. Sie lag jedoch weiterhin 3,3 Wochenstunden unter dem Vorjahresmonat. Die Zahl der arbeitslosen Personen blieb im Mai aber weiterhin hoch. Stärker noch als die Zahl von 264.600 Arbeitslosen nach internationaler Definition spiegelte sich der Beschäftigungsrückgang in der "stillen Reserve" des Arbeitsmarkts wider: Sie stieg von 128.800 im Februar 2020 auf 213.800 im Mai 2020 an.

Rund 434.000 Beschäftigungsbeendigungen und 358.000 Aufnahmen von März bis Mai

Insgesamt endeten im März 2020 rund 314.000 unselbständige Beschäftigungen, während rund 131.000 aufgenommen wurden. Bereits im April zeigten sich erste Tendenzen der Erholung – hier standen 65.000 Beendigungen 101.000 Aufnahmen gegenüber. Mit den weiteren im Mai in Kraft getretenen Lockerungen der Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie verbesserte sich die Situation im Mai 2020 schließlich auf insgesamt rund 55.000 Beendigungen und 126.000 Aufnahmen unselbständiger Erwerbstätigkeit. Damit gab es im Mai zwar noch immer rund ein Zehntel weniger Beschäftigungsaufnahmen als im Mai des Vorjahres, jedoch auch nur rund halb so viele Beendigungen wie im Vorjahr. In Summe wurden im April und Mai 2020 damit um rund 107.000 mehr unselbständige Beschäftigungsverhältnisse aufgenommen als beendet. Dieser Saldo entspricht etwa einem Drittel der rund 314.000 Beendigungen vom März 2020 (siehe Tabelle 3).

Die Erwerbstätigenzahlen steigen wieder

Die nach internationaler Definition ermittelte Zahl der Erwerbstätigen stieg im Mai wieder an. Im Monatsdurchschnitt waren im Mai 4.132.700 Personen erwerbstätig, um 50.300 Personen mehr als im April. Verglichen mit dem Mai 2019 ist jedoch weiterhin ein massiver Rückgang der Erwerbstätigenzahl mit 135.800 Personen festzustellen (siehe Tabelle 1). Damit übertrifft der aktuelle Beschäftigungsrückgang – zumindest kurzfristig – die Auswirkungen der Wirtschafts- und Finanzkrise des Jahres 2009 auf den Arbeitsmarkt deutlich. Damals lag das Maximum beim Beschäftigungsrückgang bei knapp 28.000 Personen im Vergleich der Quartalsdurchschnitte des 2. Quartals 2009 mit dem 2. Quartal 2008.

Anstieg bei den Arbeitsstunden

Im April 2020 zeigte der Jahresvergleich eine Reduktion der Wochenarbeitszeit von 6,7 Stunden. Mit den Lockerungen der Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie stiegen die durchschnittlichen Arbeitsstunden wieder deutlich an. Im Durchschnitt wurden im Mai 2020 mit 28,9 Stunden um 3,3 Arbeitsstunden pro Woche mehr geleistet als im April. Obwohl die Wochenarbeitszeit generell zugenommen hat, wurden in einzelnen Branchen weiterhin starke Rückgänge gegenüber dem Vorjahr verzeichnet. Insbesondere betroffen waren die "Beherbergung und Gastronomie" mit einem Rückgang von 32,3 Stunden (Mai 2019) auf 18,0 Stunden im Mai 2020 und der Bereich "Kunst, Unterhaltung und Erholung" von 29,7 Stunden im Vorjahr auf 18,2 Stunden tatsächlicher Wochenarbeitszeit im Mai 2020 (siehe Tabelle 2).

Jobverluste der zweiten Märzhälfte bis Ende Mai zu 43% kompensiert

Im Zeitraum 15. bis 31. März 2020 wurden insgesamt knapp 238.000 unselbständige Beschäftigungen beendet. 43% dieser Personen gelang bis Ende Mai wieder eine Beschäftigungsaufnahme – sechs von zehn davon beim selben Dienstgeber, bei dem sie zuvor beschäftigt waren.

Auch hier gibt es nach Branchen betrachtet deutliche Unterschiede. Mehr als drei Viertel jener Personen, die in der zweiten Märzhälfte ihren Job im Bau beendet haben, gelang bis Ende Mai wieder eine Beschäftigungsaufnahme – in knapp neun von zehn Fällen beim vorherigen Dienstgeber. Von den zuvor bei den "sonstigen Dienstleistungen" beschäftigten Personen konnten 60% bis Ende Mai wieder eine Beschäftigung aufnehmen – in acht von zehn Fällen beim vorherigen Dienstgeber. Besonders angespannt ist die Situation allerdings noch immer in den Wirtschaftsabschnitten "Beherbergung und Gastronomie" sowie "Kunst, Unterhaltung und Erholung". In diesen Bereichen hat bis Ende Mai erst etwas mehr als ein Viertel der Personen wieder eine Erwerbstätigkeit aufgenommen.

Arbeitslosigkeit weiterhin hoch

Trotz erster Anzeichen einer Erholung des Arbeitsmarkts sind weiterhin viele Personen von Arbeitslosigkeit betroffen. Die Zahl der beim AMS registrierten Arbeitslosen ist von Ende April auf Ende Mai 2020 zwar um 1,2 Prozentpunkte auf 473.300 Personen gesunken, lag mit einer Arbeitslosenquote von 11,5% jedoch immer noch um 4,7 Prozentpunkte über dem Mai 2019.

Auf Basis der internationalen Definition von Arbeitslosigkeit gab es im Maidurchschnitt dagegen nur 264.600 arbeitslose Personen. Damit ist die Zahl der Arbeitslosen im Vergleich zum Vormonat April um 36.900 Personen gestiegen. Die bereinigte Arbeitslosenquote für Mai 2020 beträgt nunmehr 5,4% und ist damit um 0,9 Prozentpunkte höher als im Mai 2019. Diese vergleichsweise unterschiedliche Dynamik zwischen nationaler und internationaler Arbeitslosigkeit erklärt sich durch die zugrundeliegenden Definitionen und Konzepte. Die Kriterien für Arbeitslosigkeit laut internationaler Definition sind die aktive Suche nach Arbeit und die Bereitschaft, eine Arbeitsstelle innerhalb von zwei Wochen anzutreten.

In den nach internationalen Definitionen ermittelten Zahlen spiegelt sich der Rückgang der Beschäftigten nur zu einem geringeren Maß im Anstieg der Arbeitslosigkeit, sondern definitionsbedingt vorrangig in einer Zunahme der Personen in der "stillen Reserve" des Arbeitsmarkts. Diese Gruppe umfasst Personen, die nicht erwerbstätig sind, grundsätzlich gerne arbeiten würden, aber nicht aktiv nach Arbeit suchen oder nicht kurzfristig mit einer Erwerbstätigkeit beginnen könnten. Zahlenmäßig hat diese Gruppe stark zugenommen, nämlich von 128.800 im Februar 2020 auf 213.800 Personen im Mai 2020 (Mai 2019: 81.600 Personen, siehe Tabelle 1).

 

Informationen zur Methodik, Definitionen:  
Registerbasierte Erwerbsverläufe:  Die Daten werden aus strukturiert aufbereiteten Verwaltungsdaten von Statistik Austria gewonnen. Dabei werden aus den für die Registerzählung bzw. die Abgestimmte Erwerbsstatistik nutzbar gemachten Administrativdatenquellen überschneidungsfreie Erwerbskarrieren gebildet. Die Konzepte der Abgestimmten Erwerbsstatistik werden soweit wie möglich übernommen. Damit entstehen nicht nur überschneidungsfreie, sondern auch lückenlose Erwerbskarrieren für alle Personen, die in einer der Datenquellen irgendwann einmal vorgekommen sind – unabhängig davon, ob sie jemals einen Hauptwohnsitz in Österreich hatten oder nicht. Dieses Projekt ermöglicht es somit, die Erwerbsbiographie von Personen im Laufe ihres Lebens statistisch auszuwerten und Analysen zur Stabilität von Erwerbsbiographien und zu typischen Erwerbsmustern verschiedener Personengruppen durchzuführen. Die Auswertungen basieren auf den aktuell verfügbaren Daten mit Stand Ende Mai 2020. Da Beschäftigungsaufnahmen bzw. -beendigungen mitunter mit einigen Tagen Verspätung in den Daten des Dachverbands der österreichischen Sozialversicherungsträger eingemeldet werden, sind die Zahlen v. a. in Bezug auf die Beschäftigungsbeendigungen am 31.5.2020 vermutlich noch etwas unterschätzt. Genauere Analysen können daher erst in einigen Monaten vorgenommen werden.  
Weitere Informationen zu den Registerbasierten Erwerbsverläufen finden sich auf unserer Website
Mikrozensus-Arbeitskräfteerhebung (AKE): Die europäische Arbeitskräfteerhebung findet in allen Mitgliedsländern der EU statt. Dabei werden in zufällig ausgewählten privaten Haushalten in standardisierter Form Informationen zu Erwerbstätigkeit und Arbeitssuche erhoben. In Österreich wird die AKE im Rahmen des Mikrozensus durchgeführt – eine Stichprobenerhebung, bei der wöchentlich rund 1.500 Haushalte befragt werden. Diese Daten werden auf die Bevölkerungszahl hochgerechnet. Für die Monatsergebnisse wird ein Durchschnitt über alle Wochen eines Monats gebildet. Die Werte von April und Mai sind vorläufig und können sich daher noch ändern.  
Details zur Berechnung der monatlichen Arbeitslosenzahlen nach internationaler Definition finden sich auf unserer Website zum Thema Arbeitslose
Erwerbstätige nach internationaler Definition: Personen, die in der Referenzwoche mindestens eine Stunde gearbeitet haben oder die wegen Urlaub, Krankheit usw. nicht gearbeitet haben, aber normalerweise einer Beschäftigung nachgehen. Präsenz- und Zivildiener sind ausgeschlossen.  
Unselbständig Beschäftigte nach nationaler Definition: Personen, die beim Dachverband der österreichischen Sozialversicherungsträger ein aufrechtes Beschäftigungsverhältnis über der Geringfügigkeitsgrenze haben (dazu zählen auch Lehrlinge, Personen mit Bezug von Karenz- oder Kinderbetreuungsgeld oder Präsenz- und Zivildiener, sofern ein aufrechtes Dienstverhältnis besteht).  
Arbeitslose nach internationaler Definition: Personen, die im Sinne der internationalen Definition nicht erwerbstätig sind, die weiters innerhalb der nächsten beiden Wochen nach der Referenzwoche eine Arbeit aufnehmen könnten und in der Referenzwoche oder den drei vorhergehenden Wochen aktiv eine Arbeit gesucht oder nur deshalb nicht gesucht haben, weil sie bereits eine Arbeit gefunden haben, die sie innerhalb von drei Monaten aufnehmen werden.  
Arbeitslose nach nationaler Definition: Personen, die beim Arbeitsmarktservice (AMS) als arbeitslos vorgemerkt sind. Eine parallele geringfügige Beschäftigung (laut Dachverband der österreichischen Sozialversicherungsträger) ist möglich, d. h. eine arbeitslose Person kann gleichzeitig geringfügig beschäftigt sein.  
Arbeitslosenquote nach internationaler Definition: Anteil der Arbeitslosen nach internationaler Definition an der Zahl der Erwerbspersonen nach internationaler Definition (das sind Arbeitslose plus Erwerbstätige), jeweils im Alter von 15 bis 74 Jahren.  
Arbeitslosenquote nach nationaler Definition: Anteil der Arbeitslosen nach nationaler Definition am Arbeitskräftepotenzial (das sind Arbeitslose plus unselbständige Beschäftigungen laut Dachverband der österreichischen Sozialversicherungsträger).  
"Stille Arbeitsmarktreserve" (auch "stille Reserve") nach internationaler Definition: Nicht-Erwerbspersonen (Personen, die laut internationaler Definition weder erwerbstätig noch arbeitslos sind) im Alter von 15 bis 64 Jahren, die in der Referenzwoche und den drei Wochen davor nicht nach Arbeit suchen, aber grundsätzlich gerne arbeiten würden und innerhalb der nächsten beiden Wochen nach der Referenzwoche zu arbeiten beginnen könnten.

 

Tabelle 1: Monatsergebnisse zu Erwerbstätigen, Nicht-Erwerbspersonen und Arbeitslosen
 Erwerbstätige (15-64 Jahre)DarunterNicht-Erwerbspersonen (15-64 Jahre)DarunterArbeitslosigkeit (international)1)Arbeitslosigkeit (national)2)
UnselbständigeRückkehr auf den alten ArbeitsplatzStille Arbeitsmarktreserve
in 1.000in 1.000in %in 1.000in %
Jänner 20194.225,43.740,11.373,457,6133,4214,04,8368,09,0
Februar 20194.217,43.710,51.363,960,0124,9232,54,8343,48,4
März 20194.232,13.775,71.361,837,4106,1220,84,8304,47,5
April 20194.242,93.763,91.358,619,4101,9215,24,6
296,37,3
Mai 20204.268,53.775,91.347,822,981,6202,94,5278,96,8
 
Jänner 20204.235,83.751,51.393,755,2127,3192,34,4355,38,6
Februar 20204.238,43.741,81.373,445,4128,8220,24,5334,08,1
März 20204.159,43.686,71.458,082,9164,1215,54,7522,312,7
April 20204.082,43.618,41.513,590,4216,4227,75,2522,312,8
Mai 20204.132,73.656,21.437,084,1213,8264,65,4473,311,5
Veränderung im Mai 2020 (in 1.000 bzw. Prozentpunkten)…
…zum Vormonat50,337,9-76,5-6,3-2,636,80,2-49,0-1,2
…zum Vorjahresmonat-135,8-119,789,261,2132,161,70,9194,44,7

 

Tabelle 2: Monatsergebnisse zur durchschnittlichen tatsächlichen Wochenarbeitszeit Erwerbstätiger nach Wirtschaftsbereichen
 Erwerbstätige (15–64 Jahre)Land- u. ForstwirtschaftIndustrie und GewerbeDarunterDienstleistungenDarunter
BauHandelBeherbergung u. GastronomieKunst, Unterhaltung u. Erholung
Stunden pro Person und Woche (arithmetisches Mittel)
Jänner 201929,835,929,827,129,628,731,631,4
Februar 201933,339,235,635,432,132,535,025,7
März 201934,242,835,936,833,232,234,629,9
April 201932,342,334,935,430,831,033,329,9
Mai 201932,241,833,734,031,230,932,329,7
 
Jänner 202029,140,628,426,928,728,133,925,8
Februar 202032,840,635,234,631,730,934,127,6
März 202029,641,331,730,228,327,423,618,3
April 202025,643,628,029,423,723,111,813,1
Mai 202028,943,630,633,727,626,718,018,2
Veränderung im Mai 2020 (in Stunden/Woche)
…zum Vormonat3,30,12,64,23,93,76,25,1
…zum Vorjahresmonat-3,31,9-3,1-0,4-3,6-4,1-14,3-11,4

 

Tabelle 3: Aufnahmen und Beendigungen unselbständiger Erwerbstätigkeit
 Beschäftigungsaufnahmen1) insgesamtDarunterBeschäftigungsbeendigungen2) insgesamtDarunter
BauHandelBeherbergung und GastronomieBauHandelBeherbergung und Gastronomie
auf 1.000 gerundet
März 2019158.00036.00017.00016.000128.00010.00015.00028.000
April 2019150.00022.00017.00021.000115.0009.00012.00031.000
Mai 2019138.00013.00015.00033.000100.0009.00013.00016.000
         
März 2020131.00027.00016.0009.000314.00038.00033.000102.000
April 2020101.00033.00011.0002.00065.0005.0009.0008.000
Mai 20203)126.00017.00013.00027.00055.0005.0009.0003.000

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