Pressemitteilung: 11.733-044/18

Internationaler Frauentag 2018: Immer mehr Frauen sind erwerbstätig, oft in Teilzeit; Lohnunterschied trotz Rückgang über dem EU-Durchschnitt

Wien, 2018-03-05 – Trotz steigender Erwerbsbeteiligung der Frauen bleiben die Unterschiede betreffend Teilzeit, Betreuungspflichten und Einkommen zwischen den Geschlechtern groß, wie eine Analyse von Statistik Austria zeigt. Der Lohnunterschied zwischen Frauen und Männern in der Privatwirtschaft ist in den vergangenen Jahren zwar von 25,5% (2006) auf 20,1% (2016) brutto pro Stunde gesunken, im EU-Vergleich liegt Österreich aber nach wie vor deutlich über dem europäischen Durchschnitt von 16,2%.

67,7% der Frauen sind erwerbstätig, fast die Hälfte davon arbeitet in Teilzeit

Auch 2016 hat die Erwerbsbeteiligung von Frauen weiter zugenommen. Die Erwerbstätigenquote der 15- bis 64-jährigen Frauen stieg von 62,2% (2006) auf 67,7% (2016) und war damit höher als in der EU insgesamt (61,3%). Die Zahl der vollzeitbeschäftigten Frauen hat sich im Zeitvergleich jedoch kaum geändert (2006: 1.037.700, 2016: 1.038.800). Die verstärkte Teilnahme der Frauen am Arbeitsmarkt ist in erster Linie auf die steigende Zahl von Teilzeitbeschäftigten zurückzuführen (2006: 703.300, 2016: 947.100).

Im Zehn-Jahres-Vergleich erhöhte sich die Teilzeitquote der Frauen von 40,4% (2006) auf 47,7% (2016). Seit dem Jahr 1994 (26,0%) hat sich dieser Anteil sogar fast verdoppelt. In der EU verzeichnet Österreich damit, knapp vor Deutschland, den zweithöchsten Wert (EU-28: 32,6%). Die mit Abstand höchste Teilzeitquote der Frauen erreichten die Niederlande mit 76,6%. Bei den Männern zeigt sich ebenfalls eine Zunahme der Teilzeitbeschäftigung von 6,6% (2006) auf 11,8% (2016), diese ist aber nach wie vor von vergleichsweise geringer Bedeutung (EU-28: 10,0%).

Betreuungspflichten sind für Frauen der wichtigste Grund für Teilzeit

Als Gründe für Teilzeitbeschäftigung waren bei insgesamt 37,5% der Frauen Betreuungspflichten für Kinder oder pflegebedürftige Erwachsene ausschlaggebend (Männer: 4,2%). Insbesondere bei den Frauen in der Altersgruppe von 30 bis 44 Jahren dominierte dieser Grund (67,0%). Bei den Männern insgesamt stand dagegen der fehlende Wunsch nach Vollzeittätigkeit mit 23,5% (Frauen 19,0%) bzw. die schulische oder berufliche Aus- oder Fortbildung mit 22,1% (Frauen: 8,3%) im Vordergrund.

Der Einfluss von Kindern auf die Erwerbstätigkeit der Frauen zeigt sich insbesondere bei Betrachtung des Alters des jüngsten Kindes. Ab dem zweiten Lebensjahr des Kindes arbeitet die Mehrzahl der Frauen mit Kindern unter 15 Jahren in Teilzeit. Am höchsten war der Anteil 2016 bei Müttern mit Kindern von drei bis fünf Jahren; hier gingen 63,5% einer Teilzeit- und 12,2% einer Vollzeittätigkeit nach. Aber auch Frauen mit Kindern von 10 bis 14 Jahren waren zu 55,2% in Teilzeit und nur zu 27,9% in Vollzeit beschäftigt. Im Gegensatz dazu wird die Form der Erwerbstätigkeit von Vätern kaum vom Alter ihrer Kinder beeinflusst.

Einkommensunterschiede zwischen Frauen und Männern sind leicht rückläufig

Die hohe Teilzeitquote bei Frauen spiegelt sich auch in den Jahreseinkommen wider. Gemessen an den mittleren Bruttojahreseinkommen aller unselbständig Beschäftigten verdienten Frauen 2016 insgesamt um 37,9% weniger als Männer (2006: 40,5%). Beschränkt man den Vergleich auf ganzjährig Vollzeitbeschäftigte, dann lagen die mittleren Bruttojahreseinkommen der Frauen 2016 um 15,9% unter jenen der Männer (2006: 21,8%).

In der EU wird der Lohnunterschied zwischen Frauen und Männern (Gender Pay Gap) einheitlich für alle Mitgliedstaaten anhand der durchschnittlichen Bruttostundenverdienste in der Privatwirtschaft berechnet. Im Vergleich zu 25,5% (2006) hat sich der Gender Pay Gap in Österreich auf 20,1% (2016) verringert. Österreich liegt damit aber weiterhin deutlich über dem EU-Durchschnitt von 16,2%.

Der hohe Wert geht in Österreich, aber auch in Deutschland oder dem Vereinigten Königreich, gleichzeitig mit einer hohen Erwerbstätigenquote und einer hohen Teilzeitquote der Frauen einher. In Italien oder Rumänien ist dagegen nicht nur der Gender Pay Gap, sondern auch die Erwerbsbeteiligung der Frauen niedrig. In Schweden und Dänemark liegt der Gender Pay Gap wiederum unter dem EU-Durchschnitt, obwohl beide Länder die höchsten Erwerbstätigenquoten aufweisen. Die Gründe für die starken Unterschiede sind demnach vielfältig und das Resultat unterschiedlicher länderspezifischer Faktoren.

Statistik Austria hat für Österreich den Einfluss beobachtbarer Faktoren auf den Gender Pay Gap untersucht. Basis waren die Daten aus dem Jahr 2014. Unter Berücksichtigung von Merkmalen wie Branche, Beruf, Bildungsniveau, Alter, Dauer der Unternehmenszugehörigkeit, Vollzeit/Teilzeit, Art des Arbeitsvertrags, Region und Unternehmensgröße konnte weniger als die Hälfte des Gender Pay Gap erklärt werden.

Soziale Risiken treffen Frauen stärker als Männer

In Summe führen die niedrigeren Erwerbseinkommen und Versicherungsverläufe, die vor allem durch Kindererziehung Lücken aufweisen, auch zu niedrigeren Pensionen und anderen sozialen Risiken. Laut EU-SILC 2016 waren 20% der alleinlebenden Pensionistinnen und 11% der alleinlebenden Pensionisten armutsgefährdet. Ein-Eltern-Haushalte – das sind fast ausschließlich Frauen mit ihren Kindern – haben mit 30% das höchste Armutsrisiko aller Haushaltstypen.

Detaillierte Ergebnisse bzw. weitere Informationen zum Thema Gender-Statistik finden Sie auf unserer Webseite. Die aktuelle Ausgabe von "Statistics Brief" beschäftigt sich ebenfalls mit der Arbeitsmarktsituation von Frauen.

Informationen zur Methodik, Definitionen: Erwerbstätigkeit laut Mikrozensus-Arbeitskräfteerhebung. 
Erwerbstätige nach internationaler Definition: Personen, die in der Referenzwoche mindestens eine Stunde gearbeitet haben oder wegen Urlaub, Krankheit usw. nicht gearbeitet haben, aber normalerweise einer Beschäftigung nachgehen. Präsenz- und Zivildiener sind ausgeschlossen.  
Erwerbstätigenquote: Erwerbstätige im Alter von 15 bis 64 Jahren bezogen auf die gleichaltrige Bevölkerung. 
Teilzeitarbeit: Die hier präsentierten Zahlen basieren auf einer direkten Frage nach Teilzeitarbeit.  
Gender Pay Gap: Bezeichnet laut Eurostat den geschlechtsspezifischen Lohnunterschied (ohne Anpassungen) und wird in der gesamten EU einheitlich anhand der durchschnittlichen Bruttostundenverdienste von Frauen und Männern in Unternehmen mit zehn und mehr Beschäftigten in der Privatwirtschaft (Wirtschaftsabschnitte B–N und P–S der ÖNACE 2008) berechnet. Basis ist die Verdienststrukturerhebung, diese wird seit 2006 im Abstand von vier Jahren durchgeführt, die Jahre zwischen den Erhebungen werden geschätzt.  
Armutsgefährdung: Als armutsgefährdet werden laut der Erhebung EU-SILC jene Personen bezeichnet, deren äquivalisiertes Haushaltseinkommen unter einer Armutsgefährdungsschwelle von 60% des Medians liegt. Für 2016 liegt der Median des Äquivalenzeinkommens bei 23.694 Euro. Die Armutsgefährdungsschwelle betrug 2016 somit 14.217 Euro für einen Einpersonenhaushalt, das sind 1.185 Euro pro Monat (zwölf Mal).

Rückfragen zum Thema beantwortet in der Direktion Bevölkerung, Statistik Austria:  
Mag. Tamara GEISBERGER, Tel.: +43 (1) 71128-7818 bzw. tamara.geisberger@statistik.gv.at

 

Tabelle 1: Entwicklung der Erwerbstätigen nach Voll- und Teilzeit (ILO) in 1.000
Jahre20062007200820092010201120122013201420152016
Vollzeit in 1.000
Frauen1.037,71.049,21.069,31.051,71.050,21.056,81.051,21.046,81.029,01.027,71.038,8
Männer1.948,41.984,31.986,71.944,91.951,01.969,61.972,51.955,91.937,31.948,71.970,3
Teilzeit in 1.000
Frauen703,3736,4761,3797,1818,5833,3862,0877,8908,5926,5947,1
Männer136,7153,8176,9188,6197,0192,8198,9224,3238,0245,4264,2
Tabelle 2: Entwicklung der Erwerbstätigen- und Teilzeitquoten (ILO) in %
Jahre20062007200820092010201120122013201420152016
Erwerbstätigenquoten (ILO) in %
Frauen62,263,564,865,265,766,166,766,966,967,167,7
Männer74,976,376,875,576,076,276,276,075,275,175,4
Teilzeitquoten (ILO) in %
Frauen40,441,241,643,143,844,145,145,646,947,447,7
Männer6,67,28,28,89,28,99,210,310,911,211,8

 

Tabelle 3: Erwerbstätigen- und Teilzeitquoten (ILO) im EU-Vergleich 2016 in %
ErwerbstätigenquotenFrauenMännerTeilzeitquotenFrauenMänner
EU-2861,371,8EU-2832,610,0
Griechenland43,361,0Bulgarien2,51,9
Italien48,166,5Ungarn7,33,5
Kroatien52,461,4Kroatien8,05,4
Malta52,778,3Slowakei8,24,3
Rumänien53,369,7Rumänien9,28,1
Spanien54,364,8Litauen10,06,0
Belgien58,166,5Polen10,44,4
Polen58,171,0Tschech. Republik11,13,3
Slowakei58,371,4Lettland11,76,7
Zypern59,368,6Slowenien13,76,6
Irland59,570,2Griechenland13,87,0
Bulgarien60,066,7Portugal13,910,1
Ungarn60,273,0Estland14,97,6
Luxemburg60,470,5Zypern16,512,2
Frankreich60,967,6Finnland21,311,6
Portugal62,468,3Spanien24,17,8
Slowenien62,668,9Malta26,87,1
Tschech. Republik64,479,3Frankreich30,18,2
Lettland67,670,0Italien32,88,7
Finnland67,670,5Irland33,813,1
Österreich67,775,4Luxemburg35,16,5
Estland68,675,7Schweden36,815,2
Litauen68,870,0Dänemark37,718,5
Ver. Königreich68,878,3Ver. Königreich42,113,3
Niederlande70,179,6Belgien42,310,2
Deutschland
70,878,4Deutschland
47,211,1
Dänemark72,077,7Österreich47,711,8
Schweden74,877,5Niederlande76,628,1
Tabelle 4: Teilzeiterwerbstätige nach Grund für Teilzeitarbeit 2016 in %
Grund für TeilzeitBetreuung von Kindern oder pflegebedürftigen ErwachsenenKeine Vollzeittätigkeit gewünschtAndere persönliche oder familiäre GründeKeine Vollzeittätigkeit gefunden Schulische oder berufliche Aus- oder FortbildungSonstige Gründe
Frauen37,519,017,411,18,36,6
Männer4,223,517,017,222,116,0

 

Tabelle 5: Erwerbsbeteiligung von Müttern und Vätern mit Kindern unter 15 Jahren nach Alter des jüngsten Kindes 2016 in %
ErwerbsbeteiligungVollzeitTeilzeitElternkarenzNicht erwerbstätig oder arbeitslos
Mütter17,049,110,024,0
Kind unter 1 Jahr7,510,254,927,4
1 Jahr(6,5)23,637,932,0
2 Jahre9,051,5(x)36,7
3 bis 5 Jahre12,263,5(x)24,3
6 bis 9 Jahre21,157,3(x)21,6
10 bis 14 Jahre27,955,2(x)16,9
Väter84,76,3(x)8,8
Kind unter 1 Jahr83,18,8(x)(7,2)
1 Jahr83,2(7,0)(x)8,6
2 Jahre84,1(6,9)(x)(8,6)
3 bis 5 Jahre84,06,9(x)9,0
6 bis 9 Jahre85,45,2(x)9,4
10 bis 14 Jahre86,04,9(x)9,1
Tabelle 6: Differenz zwischen den mittleren Bruttojahreseinkommen von Frauen und Männern in %
Jahre20062007200820092010201120122013201420152016
Bruttojahresverdienste40,540,740,939,839,739,639,339,138,938,437,9
Bruttojahresverdienste der ganzjährig Vollzeitbeschäftigten21,821,620,919,419,118,518,318,218,017,315,9
Tabelle 7: Geschlechtsspezifischer Lohnunterschied (Gender Pay Gap) 2006–2016 in %
Jahre20062007200820092010201120122013201420152016
EU17,717,617,317,2*)16,416,817,216,716,616,2*)16,2*)
Österreich25,525,525,124,324,023,522,922,322,2
21,720,1

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