ÖNACE 2008

Allgemeines

Seit 1. Januar 2008 ist in der Europäischen Union die revidierte Wirtschaftstätigkeitenklassifikation NACE Rev. 2, die die NACE Rev. 1.1 abgelöst hat, anzuwenden. Wie schon für die vorangegangenen Versionen der NACE gibt es in Österreich wieder eine nationale Version der neuen Klassifikation NACE Rev. 2.

Als Titel dieser nationalen Version wurde der Name „ÖNACE 2008" gewählt. Die Namensgebung ist dabei im Einklang mit der bisherigen österreichischen Tradition, die nationalen Klassifikationen namentlich an das Jahr der Einführung zu koppeln (siehe z.B. ÖNACE 2003 oder ÖNACE 1995). Die Publikation der ÖNACE 2008 ist im November 2008 erschienen.

Gemeinsame deutschsprachige Titel und Erläuterungen zur NACE Rev.2

In Zusammenarbeit mit Experten des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden, dem Schweizer Bundesamt für Statistik, dem Statistischen Amt von Luxemburg und der Statistik Austria wurde an einer gemeinsamen deutschsprachigen Version (PDF, 532KB) der Titel und der Erläuterungen der NACE Rev. 2 gearbeitet. Diese diente auch als Grundlage für die Erarbeitung der Titel und Erläuterungen der ÖNACE 2008.

Arbeitsgruppe für wirtschaftliche Nomenklaturen

Für die Entwicklung der ÖNACE 2008 fanden wie gewohnt in regelmäßigen Abständen Sitzungen der Arbeitsgruppe wirtschaftsstatistische Nomenklaturen des Fachbeirates für Register und Systematiken statt, in welchen die Arbeiten und Zielsetzungen an der nationalen Systematik diskutiert wurden. Die Arbeitsgruppe setzte sich dabei aus Experten der Bundesministerien, der Wirtschaftskammer und sonstiger Interessensvertretungen sowie der Statistik Austria zusammen.

Struktur der ÖNACE 2008

Bereits in der Vergangenheit sollte ja die Struktur der ÖNACE  durch die weitere Spezifizierung der Klassen der NACE Rev. 2 in nationale Unterklassen - den nationalen Bedürfnissen entsprechend - detaillierter dargestellt und somit aufgegliedert werden. Allerdings wurde bei der Entwicklung dieser Unterklassen Wert darauf gelegt, dass sie nur in solchen Bereichen geschaffen wurden, die bestimmten Relvanzkriterien entsprechen.

Da es sich bei der neuen Wirtschaftsystematik NACE Rev. 2 um eine wirkliche Revision der Vorgängerversion handelt, wurde von der Statistik Austria angeregt, die bisher vorhandenen nationalen Unterklassen dahingehende kritisch zu prüfen, ob ihre jeweilige Existenz noch von wirtschaftlicher Relevanz ist. Außerdem galt es festzulegen, ob es nicht Wirtschaftsbereiche gibt, die sich in Österreich in den letzten Jahren so entwickelt haben, dass es sinnvoll wäre, hier neue nationale Unterklassen einzufügen. Die Arbeiten an der Struktur der ÖNACE 2008 wurden im Mai 2007 abgeschlossen.

Die Struktur wurde mit Schreiben vom 3. Juli 2007 von Eurostat entsprechend der EU-Verordnung Nr. 1893/2006 Artikel 4 genehmigt.

Kodierung der ÖNACE 2008

Aufgrund der größeren Detaillierung der NACE Rev. 2 sind in der ÖNACE 2008 weniger nationale Unterklassen erforderlich als bisher. Damit ist es auch nicht mehr notwendig, die nationalen Unterklassen durch eine zweistellige Kodierung zu kennzeichnen, vielmehr genügt eine einstellige Kodierung. Damit ist der gesamte ÖNACE 2008 Kode nur mehr fünfstellig, statt wie bisher sechsstellig.

Diese geänderte Form der Kodierung hat außerdem den Vorteil, dass es zukünftig seitens der Benutzer zu keiner Verwechslung zwischen ÖNACE 2008 und ÖNACE 2003 kommen kann. Dies ist umso wichtiger, da in einigen Fällen der gleiche Kode verschiedene Inhalte in den beiden Klassifikationen bezeichnet. Dieses Problem ist außerdem auch auf EU-Ebene diskutiert worden, wobei den Mitgliedsstaaten geraten wurde, auf nationaler Ebene Unterscheidungen zwischen alter und neuer Klassifikation einzuführen.

Gliedert sich eine Klasse in mehrere nationale Unterklassen und enthält die letzte dieser Unterklassen diejenigen Tätigkeiten, die in den dazugehörigen Unterklassen nicht eingeordnet werden konnten (siehe z.B. die Endung „anderweitig nicht genannt“), so wird diese Unterklasse an der fünften Stelle mit 9 bezeichnet. Hiermit wird das in der NACE Rev. 2 durchgehend eingehaltene Kodierungsprinzip auch in der nationalen Version umgesetzt. Ein Beispiel für dieses Vorgehen sind die Unterklassen 52.21-1 „Parkhäuser und Parkgaragen“, 52.21-2 „Mautstraßen“ und 52.21-9 „Erbringung von sonstigen Dienstleistungen für den Landverkehr a.n.g.“.

Kriterien für die Erstellung nationaler Unterklassen

Um die Arbeitsgruppe in ihrer Diskussion zu unterstützen, wurden von der Statistik Austria einige Kriterien für die Erstellung nationaler Unterklassen vorgeschlagen:

Die Aktivität, die durch die nationale Unterklasse beschrieben wird, muss eine relevante Bedeutung gemessen an Größenkriterien (z.B. die Anzahl der Unternehmen oder Beschäftigten) oder anderen Kriterien (z.B. Untergliederung ist für Zwecke der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung sinnvoll) haben.

In einer nationalen Unterklasse sollten genug Einheiten zugeordnet werden können, damit die statistische Geheimhaltung (insbesondere auch bei regionalen Darstellungen) nicht verletzt ist.

Unabhängig von der bloßen Anzahl der Einheiten, sollten aber auch statistische Daten (potentiell) für jede nationale Unterklasse verfügbar sein.

Die Sinnhaftigkeit der Untergliederung sollte gemäß den grundlegenden Konzepten einer Aktivitätsklassifikation gewährleistet sein.

Anzahl der Positionen der ÖNACE 2008

Tabelle 1: Anzahl der Positionen und Kodierung der ÖNACE 2003 und ÖNACE 2008
 ÖNACE 2003ÖNACE 2008
GliederungsebeneAnzahlKodierungAnzahlKodierung
Abschnitte17A- Q21A- U
Unterabschnitte31AA- QA---
Abteilungen6201- 998801- 99
Gruppen22401.1- 99.027201.1- 99.0
Klassen51401.11- 99.0061501.11- 99.00
Unterklassen72201.11-00- 99.00-0070101.11-0- 99.00-0

In Tabelle 1 ist ein Vergleich der Anzahl der Positionen und der Kodierung zwischen ÖNACE 2003 und ÖNACE 2008 dargestellt. Aus der Tabelle lässt sich dabei folgendes ablesen:

  • Die Ebene der Unterabschnitte gibt es ab der ÖNACE 2008 nicht mehr
  • Die Anzahl der Klassen hat sich in der ÖNACE 2008 um 101 erhöht. Dies spiegelt die größere Detailliertheit der NACE Rev. 2 wider.
  • Die Anzahl der nationalen Unterklassen ist um 21 gesunken. Das ergibt sich einerseits daraus, dass einige Unterklassen gestrichen wurden, andererseits wird aber auch deutlich, dass zahlreiche nationale Unterklassen nun bereits auf Klassenebene zu finden sind.

Erläuterungen der ÖNACE 2008

Nach Vorliegen der gemeinsamen deutschsprachigen Erläuterungen, wurde mit den Arbeiten an den Erläuterungstexten zur ÖNACE 2008 begonnen. Der Schwerpunkt dieser Arbeiten bestand darin, die Erläuterungen an die Unterklassenebene anzupassen sowie allfällig – zur besseren Interpretation der Klassifikation – weitere erläuternde Texte einzufügen. Außerdem gab es ja bereits in der ÖNACE 2003 zahlreiche ergänzende Erläuterungstexte, die auch – soweit dies inhaltlich möglich ist – in die ÖNACE 2008 übernommen werden. Die Arbeiten an den Erläuterungstexten zur ÖNACE 2008 wurden im März 2008 abgeschlossen.

Alphabetikum der ÖNACE 2008

Hinsichtlich des Alphabetikums wurden die bestehenden Begriffe (ca. 22.000) einer kritischen Prüfung unterzogen, ob sie noch der gegenwärtigen Ausdrucksweise entsprechen und ob sie in der bisherigen Form für die neue ÖNACE anwendbar sind. Ebenso wurden möglichst viele moderne Begriffe und neue Tätigkeiten in das Alphabetikum aufgenommen. Dafür wurden beispielsweise auch die vorhandenen Alphabetika der Güterklassifikationen herangezogen. Es sei erwähnt, dass hinsichtlich der generellen Interpretation der NACE Rev. 2 sowie der prinzipiellen Klassifizierung neuer Tätigkeiten laufend Anfragen an Eurostat gestellt wurden. Außerdem wurden für bestimmte Bereiche externe und interne Experten gebeten, die Arbeiten am Alphabetikum zu unterstützen.

Das Alphabetikum der ÖNACE 2008 umfasst rund 25.500 Begriffe.

Ergänzungen und Klarstellungen zur ÖNACE 2008

Aufgrund der Rückmeldungen der Unternehmen zur Klassifikations-Mitteilung sowie aktueller Entscheidungen über die Zuordnung von nicht so leicht klassifizierbaren Tätigkeiten (sog. Caselaw-Entscheidungen) durch die NACE/CPA Arbeitsgruppe bei Eurostat werden jährlich Ergänzungen und Klarstellungen zur ÖNACE 2008 vorgenommen

Es ist dabei allerdings zu betonen, dass sich an der bisherigen Struktur und Einteilung der ÖNACE 2008 nichts ändert. Alle bisherigen Zuordnungen, Korrespondenzen zu anderen Klassifikationen, alle Kodierungen, die Anzahl der Unterklassen etc. bleiben komplett unverändert. Es geht vielmehr nur um Ergänzungen und Klarstellungen innerhalb der bestehenden Klassifikationsstruktur.

Diese betreffen einerseits die Erläuterungstexte. Hier vor allem haben die Rückmeldungen aus der Klassifikations-Mitteilung einiges an Ergänzungswünschen ergeben.

Hinsichtlich des Alphabetikums werden laufend nicht vorhandene Produkte und Dienstleistungen aufgenommen.

Alle diese Änderungen sind in der KDB und den Downloads implementiert.